Die passende Verpackung fürs Produkt

Auf diese Punkte ist zu achten
Foto: Pixabay.com © delphinmedia (CC0 Public Domain)
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Seit Jahren bereits steigt die Zahl der Selbstständigen und Freiberufler in Deutschland kontinuierlich an. Dabei folgen viele Unternehmer dem jeweiligen Zeittrend und etablieren zukunftsgerichtete Start-ups mit innovativen Ideen. Planen Sie die Markteinführung eines neuen Produktes oder den Re-Launch einer bestehenden Ware, sollten Sie die Bedeutung der passenden Verpackung nicht unterschätzen.

Eine für alles

Sie haben eine Geschäftsidee entwickelt und benötigen für Ihr Produkt nun die passende Verpackung? Können Sie es auch kaum erwarten, Ihre Ware der Welt zugänglich zu machen – nehmen Sie sich unbedingt Zeit für die Gestaltung der passenden Verpackung. Denn schon längst muss diese weitaus mehr erfüllen als schlicht das enthaltene Produkt zu schützen. Sie muss:
  • problemlos zu transportieren,
  • eine möglichst lange Haltbarkeit garantieren,
  • Informationen zum Inhalt liefern
und sollte
  • möglichst nachhaltig sein,
  • zum Kauf anregen und
  • Ihre Marke repräsentieren.
Nicht einfach, all diese Aspekte zu vereinen – doch mit der Beantwortung einiger wichtiger Fragen werden Sie Ihre Ware am Ende in der individuell perfekten Verpackung präsentieren können.

Diverse Verpackungsarten zur Auswahl

Ob Sie die freie Wahl aus den diversen Verpackungsarten auf dem Markt haben oder nicht, ist auch von Ihrem Produkt abhängig. So werden Sie ein flüssiges Produkt in der Regel in einer Flasche anbieten, während Cremes in Dosen oder Tuben und Textilien zum Großteil in Pappschachteln oder Kunststofftüten angeboten werden. Gut möglich allerdings, dass Sie sich nicht für einen Typ entscheiden müssen – dank folgender drei Verpackungsebenen:
  • Das Abfüll-Gefäß: Dieses Behältnis steht in direktem Kontakt mit Ihrer Ware. Die Möglichkeiten sind vielfältig, Sie können hierbei unter anderem auf Glasflaschen oder Laminattuben, Jutebeutel oder Kunststofftüten, Papierschachteln oder Aluminiumdosen zurückgreifen.

  • Produktbox: Hier hat man die Möglichkeit, durch eine spezifische Gestaltung die Aufmerksamkeit Ihrer Zielgruppe auf sich zu ziehen. Zunächst jedoch steht eine weitere Entscheidung an: die geeignete Materialwahl. Zu reinen Promotionszwecken eigenen sich auch kleine Sachets für Proben. Möchten Sie mit dem Trend gehen und lässt sich Ihr Produkt entsprechend verpacken, nehmen Sie die Möglichkeit einer Tubenverpackung näher ins Visier: Die beliebte Verpackungsart vereint zahlreiche Vorteile. Dazu zählen die hohe Barriere-Eigenschaft, aber auch der umweltfreundliche Direktdruck, der das Etikettendrucken überflüssig macht. Auch bei der Verschlussart haben Sie die Wahl – in erster Linie sollte sich die Verpackung einfach öffnen lassen, ob durch Drehen, Ziehen oder Drücken. Nicht ohne Grund ist die Tubenproduktion schon 2019 stark angestiegen.

  • Umverpackung des Behältnisses: Dabei handelt es sich um den Karton, in dem Sie die Flasche mit Ihrem Duft oder einzeln verpackte Süßigkeiten verschließen. Ebenso wie die vor allem für den Online-Versand wichtige


Verpackungsmüll den Kampf ansagen

In der Regel werden Sie Produkt an einem Ort herstellen und verpacken und von dort an diverse Zielorte versenden. Gut möglich, dass es auf dem Transportweg deutlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist oder vor dem Verkauf bei ungeeigneter Luftfeuchtigkeit gelagert wird. Mit dem passenden Material können eine sichere Handhabung und lange Haltbarkeit garantiert werden. Noch immer zählen zu den typischen und aktuell gebräuchlichsten Verpackungsmaterialien
  • Kunststoffverbindungen
  • Glas
  • Aluminium
  • Holz
Doch neben der reinen Funktionalität tritt der Aspekt der Nachhaltigkeit immer mehr in den Vordergrund. Fast 20 Millionen Tonnen und damit beinahe 230 Kilogramm pro Kopf fallen nach offiziellen Angaben jährlich in Deutschland an Verpackungsabfall an. Dessen Anstieg entgegenzutreten, entwickeln Verpackungsdesigner zunehmend innovative Ideen. So lassen sich Verpackung aus Milchcasein kompostieren, Verpackungen aus Styropor durch Pilzmaterial ersetzen oder Kunststoff durch Algen. Sollten Sie eine Markteinführung im Lebensmittelbereich planen, ist eine essbare Verpackung eine mögliche Alternative zu Althergebrachtem. So sparen Sie nicht nur Abfall, sondern versetzen auch Ihrem Markenimage einen Push.

Bedenken Sie bei der Auswahl des Verpackungsmaterials in Hinblick auf seine Nachhaltigkeit unbedingt auch den Herstellungsaufwand und die Transport- und Lagerkosten. So ist beispielsweise Glas zwar edel und wiederverwertbar, jedoch zerbrechlich und schwer an Gewicht – zu seiner Herstellung muss ein Vielfaches an der Energie aufgewendet werden, die im Durchschnitt für Kunststoff anfällt.

Schließlich muss das Material Ihrer Produktverpackung auch zu seinem Inhalt passen: Möchten Sie mit einem Bio-Produkt aus nachhaltigem Anbau den Markt erobern, sollten Sie auf Plastik oder Aluminium verzichten.

Verpackungsgestaltung: Pflicht und Kür

Fast sind wir soweit und können uns der kreativen Gestaltung Ihrer Produktverpackung widmen. Doch bevor Sie sich über Form, Farbe und weitere Designaspekte Gedanken machen, informieren Sie sich über mögliche gesetzliche Pflichtangaben zu den enthaltenen Inhaltsstoffen.

EU-Regelungen zu Verpackungsangaben

Erneut gilt: Es macht einen Unterschied, ob Sie einen T-Shirt-Versand planen, ein Kosmetikartikel auf den Markt bringen möchten oder Lebensmittel verpacken. In der Regel sind Informationen zu den Inhaltsstoffen bzw. verwendeten Materialien in Bezug auf mögliche Allergene ebenso verpflichtend wie Angaben zu Ihnen als Hersteller, dem Produktionsort und in Einzelfällen der Haltbarkeit Ihrer Ware. Sämtliche Informationen müssen transparent und gut lesbar auf der Verpackung oder – bei Platzmangel – auf einem beiliegenden Leaflet abgedruckt werden. Was Ihnen im Anschluss zur Verfügung steht, gehört ganz Ihnen…

Wie kreativ sollten Sie werden?

Idealerweise identifiziert sich Ihre Zielgruppe mit Ihrem Produkt. Durch die Verpackung können Sie Aufmerksamkeit schüren, sich von Mitbewerbern abheben und Ihre Marke zu einem langfristigen Bekanntheitsgrad verhelfen. Unabhängige Umfragen bestätigen, dass sich ein Großteil aller Verbraucher vom Verpackungsdesign in seiner Verkaufsentscheidung beeinflussen lässt.

In einen Dialog mit dem Kunden treten

Zunächst sollte die Hülle zum Produkt passen. Ein kreatives und verrücktes Layout ist für ein edles und minimalistisches Produkt ebenso wenig geeignet wie ein Umkarton in schwarzem Farbton für ein buntes Kinderspielzeug. Mit Ihrem Verpackungskarton geben Sie ebenso potenziellen Neukunden einen ersten Anhaltspunkt zur Produktqualität mit auf den Weg wie Sie Stammkunden langfristig an Ihre Marke binden können.

Eine Umverpackung ist nicht zuletzt dank moderner Technik ein ideales Marketinginstrument: Bieten Sie interessierten Verbrauchern durch das Einscannen eines QR-Codes einen besonderen Mehrwert, mit dem Sie sich von Ihrer Konkurrenz abheben: Verlinken Sie auf ein Rezept, zeigen Sie Bilder des Herstellungsprozesses, lassen Sie die Verpackung leuchten oder sprechen.

Weniger aufwendig und ebenso effektiv lässt sich eine einfache Faltschachtel als Informationsträger nutzen. Geben Sie Ihren Kunden in Wort oder Bild zusätzliche Informationen zum Produkt mit an die Hand und integrieren Sie auf subtile Art Ihr Markenlogo.

Online-Versand zu Ihren Gunsten nutzen

Weltweit boomt der Online-Versand. Für ein positives Versanderlebnis muss Ihr Artikel Ihre Kunden unbedingt unversehrt erreichen. Stimmen Sie auch Form und Gewicht mit dem Inhalt ab – werden Sie Ihrem Ruf als nachhaltiges Unternehmen gerecht und wählen Sie den Karton in der kleinstmöglichen Größe.

Bedenken Sie neben optischen Gesichtspunkten auch die Haptik: Die Entscheidung für dünnes Papier oder feste Wellpappe kann beim Auspackerlebnis der Produkt-Boxen gerade im Bereich des E-Commerce-Bereich das Zünglein an der Waage sein, ob weitere Bestellungen folgen.

Nutzen Sie die Beliebtheit von Social-Media-Kanälen und unterschätzen Sie nicht das Auspackerlebnis. Ein einziger Blick ins Web genügt, die Bedeutung des sogenannten Unboxing zu erkennen: Bilder und Videos von Verpackungen und der Entnahme des Inhalts werden bei Facebook und Instagram geteilt, auf YouTube hochgeladen oder von Influencern über weitere Kommunikationskanäle verschickt. Positive Erfahrungen können die Verkaufszahlen Ihres Produktes ebenso steigen lassen wie der Ärger über einen kompliziert zu öffnenden Karton die wahrgenommene Qualität Ihres Produkts deutlich zu reduzieren vermag.

Upcycling-Ideen mit auf den Weg geben

Mit dem Auspackerlebnis muss es nicht vorbei sein. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kunden die Versandschachtel nicht sogleich entsorgen, sondern über weitere Monate verwenden und Ihre Verpackung in umfunktionierter Form Besuchern vom Regal entgegenblickt! Mit innovativen Tipps für eine Wieder- oder Andersverwendung Ihrer Schachtel verbinden Sie Nachhaltigkeit mit einer günstigen und langfristigen Werbung in Ihrem Sinne.

Auf einen Blick

Die Wahl Ihrer Produktverpackung kann das gewisse Etwas in die Waagschale werfen, das Verbraucher in ihrer Kaufentscheidung beeinflusst. Nehmen Sie sich also die Zeit und
  • analysieren Sie Ihren Markt
  • untersuchen Sie die Präferenzen Ihrer Zielgruppe
  • legen Sie sich abhängig vom Produkt auf eine Verpackungsart und ein Verpackungsmaterial fest
  • entschieden Sie sich für ein Design
  • bieten Sie Ihren Kunden einen Mehrwert und
  • sorgen Sie für ein unvergessliches Unboxing-Erlebnis.

So legen Sie den ersten Stein für eine langfristig erfolgreiche Selbstständigkeit.

Deutschland-Ausgabe 2019