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Das KZA-Leitungsteam: (v.l.) Stephan Davidheimann, Nina Bendler, Wolfgang Zimmer, Stefan Blieffert und Axel Koschany (vorne)
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Innovation beginnt im Kopf

Als zukunftsfähiges Unternehmen haben sich Koschany + Zimmer Architekten KZA der Nutzung und Förderung moderner Technik verschrieben. Aber auch die beste Ausstattung nutzt nur, wenn die Mitarbeiter Architektur neu denken können.



Bauvorhaben (nicht nur) im Kölner Raum sorgen gern für Aufreger-Schlagzeilen. Die Gesamtschule Hürth bildet da eine positive Ausnahme. Mit Beginn des laufenden Schuljahres konnten die Schüler den Neubau beziehen – zum geplanten Termin und unter Einhaltung des vorgesehenen Kostenrahmens. „Wir freuen uns über ein schönes und funktionales Gebäude“, schreiben Schüler und Lehrer auf der Facebook-Fanpage der Schule. Maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Ablauf hatte die moderne Planung der beteiligten Architekten. Denn der Neubau des Schulgebäudes wurde komplett in 3D modelliert.

„Für die Architekturszene ist das schon eine Art Zeitenwende“, sagt Wolfgang Zimmer, Geschäftsführer der Koschany + Zimmer Architekten GmbH (KZA). Das Unternehmen mit Sitz in Essen hat die Ausführungsplanung für den Schul-Neubau übernommen und den Entwurf des Stuttgarter Büros h4a Architekten in die Realisierung gebracht – in 3D. Grundlage für diese neue Art der Planung ist das Building Information Modeling, kurz BIM.

„Wir bauen das Haus quasi zweimal: erst digital auf dem Computer und dann ‚in echt‘“, betont Wolfgang Zimmer. „Während CAD, vereinfacht gesagt, nichts weiter war als die Digitalisierung des Zeichenbretts, verändern sich mit BIM die Arbeitsabläufe.“ Der große Vorteil: Die Arbeit aller beteiligten Planer wird in einem Gesamtmodell zusammengefasst und so noch besser aufeinander abgestimmt als bisher. So können Probleme, die sonst erst bei der Umsetzung auf der Baustelle auftreten, von vorneherein nahezu ausgeschlossen werden. Auch Änderungen lassen sich einfacher einpflegen oder simulieren und ihre Auswirkungen – sei es auf Kosten oder die Gebäudestruktur – schneller erkennen.

Vor Ort können die Pläne dann beispielsweise per Tablet aufgerufen werden. Die Modelle enthalten nicht nur die reinen geometrischen Daten, sondern sind auch inhaltlich „gefüllt“. Beim Aufruf einer Wand werden so wichtige ergänzende Informationen zu Aufbau und Qualitäten sichtbar. Auch der Materialfluss auf der Baustelle kann mit moderner Technik noch gezielter gesteuert werden. „Jedes Fenster bekommt eine eigene Kennung, und die ist dann auch im Bar- oder QR-Code bei der Lieferung enthalten. So lässt sich jedes Bauteil schneller und gezielter dorthin bringen, wo es benötigt wird“, sagt Zimmer, der sich nicht nur innerhalb des Unternehmens für zukunftsfähige Konzepte und Arbeitsweisen einsetzt. Innovative Entwicklungen für Architekten vertritt er auch regelmäßig bundesweit auf Konferenzen und in Gremien der Architektenkammern. Außerdem wirkte er bereits an verschiedenen Publikationen zum Thema „BIM für Architekten“ mit. Über BIM werden auch die Kommunikationsprozesse zum Bauherrn vereinfacht. Vielen Nicht-Architekten fehlt das räumliche Empfinden, um sich aus 2D-Plänen das tatsächliche spätere Gebäude vorstellen zu können. „Wir haben nicht selten erlebt, dass nach Fertigstellung der Satz ‚Ach, so sieht das aus‘ fiel“, sagt Axel Koschany. „Jetzt aber können wir unsere Auftraggeber mit Hilfe einer VR-Brille zu einem realitätsnahen Rundgang durch ihr späteres Gebäude einladen.“ Besonders spannend ist dieser Prozess, wenn der Bauherr der digitalen Technik selbst verbunden ist – wie im Fall des IT-Dienstleisters Krankikom. In einem Wettbewerb suchte das Unternehmen Ideen für den Bau einer neuen Firmenzentrale im Duisburger Innenhafen. Dass sich das Büro KZA mit seinem Entwurf durchsetzte, lag an zwei wesentlichen Aspekten: Zum einen greift er die durchaus variable umliegende Bebauung auf, zum anderen wirkt das Gebäude sehr innovativ. So spiegelt es die Branche des Auftraggebers und späteren Nutzers und dessen Vorstellungen wider.

„Im unteren Bereich betont das Gebäude den davorliegenden Platz“, erklärt KZA-Geschäftsführer Axel Koschany. „Hier befindet sich ein Café, das vom Auftraggeber selbst betrieben werden wird und das gleichzeitig das Entree bildet für seine Büroetagen. Einen separaten Haupteingang wird es nicht geben.“ Der obere Teil des Gebäudes richtet sich zum Kanal und dem gegenüberliegenden Landesarchiv hin. Gestalterischer Clou ist die Textilfassade aus austauschbaren Stoffbahnen, deren Elemente von innen heraus beleuchtet werden. KZA konnte dieses Konzept gemeinsam mit „Pixlip Facade“ umsetzen. „Die Lichtquelle ist dimmbar, sodass sich die leuchtende Fassade jederzeit den Rahmenbedingungen anpassen lässt“, sagt Koschany.

Baubeginn ist im Laufe dieses Monats – und natürlich werden sämtliche Planungsprozesse über BIM gesteuert. Dabei entwickelt sich die Technik rasant weiter. In Zukunft könnte auch der 3D-Druck einzelner Bauteile möglich werden: hilfreich beispielsweise, wenn sich aufgrund einer zu geringen Stückzahl für die Produktion die Einrichtung einer neuen Fertigungsstraße nicht lohnt.

Individualität in Serie

Die Erwartung zu geringer Stückzahlen steht in einem anderen aktuellen Kompetenz-Schwerpunkt von Koschany + Zimmer Architekten KZA nicht zur Debatte. Beim modularen Wohnungsbau geht es darum, über hohe Stückzahlen Wohnen kompakt, preiswert, schnell, zum Teil vorgefertigt und kundenorientiert möglich zu machen. Vor rund zwei Jahren reifte bei KZA diese Idee heran, als ein großes deutsches Wohnungsunternehmen mit genau diesem Anspruch auf die Essener zukam. „Aus dem Bürobau kannte man die modulare Bauweise bereits, aber für den Wohnungsmarkt war das was völlig Neues“, sagt Nina Bendler, eine von drei Prokuristen bei KZA. „Wir haben uns dann erst mal international umgesehen, wie sich Wohnen generell kompakter gestalten lässt, ohne dabei Komfort zu verlieren. In einem zweiten Teil der Studie ging es dann darum, wie sich die Erkenntnisse auf eine Systematik herunterbrechen lassen.“ Das Prinzip schaute man sich bei der plattformbasierten Produktion der Automobilindustrie ab. „Wir hatten von Beginn an eine wirtschaftliche Vorgabe, waren durch unseren Auftraggeber aber völlig frei in der Ausgestaltung des Konzeptes. Dann haben wir tatsächlich Wohnungsbau komplett auf den Kopf und alles in Frage gestellt, was man in Deutschland bisher so macht.“ Auch für das Team bedeutet der modulare Wohnungsbau eine besondere Herausforderung. Denn anders als bisher arbeitet man sich nicht mehr vom Großen zum Kleinen vor, sondern genau umgekehrt. Von der kleinsten Einheit, dem Zimmer, ausgehend, entsteht jetzt die Wohnung und danach das gesamte Gebäude. Als Grundkomponenten stehen die Bausteine Wohnen, Schlafen und „sonstige Zimmer“ zur Verfügung. „Das Ergebnis sind Module, aus denen sich sehr individuelle Wohnungen und Häuser zusammenbauen lassen“, sagt Bendler. „Das hat übrigens nichts mit dem bereits bekannten Containerbau zu tun, der beispielsweise beim schnellen Aufbau von Flüchtlingsheimen angewandt wurde.“ Keine Einheitsbauten zu entwickeln ist dem KZA-Team besonders wichtig, „denn das entspricht in keinster Weise unserer Architektenphilosophie“. Der serielle Wohnungsbau lohnt sich bei großen Stückzahlen, verspricht aber eine stark verkürzte Bauzeit. Insbesondere an der Baustelle vor Ort wird weniger Zeit benötigt, da viele Teile bereits vorgefertigt sind. „Da können aus bisher 15 Monaten drei werden. Für die Vorfertigung rechnen wir dann noch mal zirka vier Monate, sodass die Gesamtbauzeit immer noch kürzer ist als bei bisherigen Möglichkeiten.“ In der Vorfertigung kommen Holz, Stahl und Beton zum Einsatz. Dabei hat jeder Werkstoff ganz individuelle Vor- und Nachteile: Im Vergleich zu Holz punktet beispielsweise Stahl beim Brandschutz, und es schlägt Beton, wo das Gewicht eine Rolle spielt, also unter anderem beim Transport. „Je nach Projekt, Ort und Rahmenbedingungen entscheiden wir, welches Material für den Einzelfall am besten geeignet ist“, weiß Nina Bendler. „Schon die einzelnen Gesetzgebungen in den Bundesländern schränken die Möglichkeiten manchmal ein.“ Beim seriellen Wohnungsbau gehört KZA inzwischen zu den deutschlandweit führenden Büros. „Dabei dringen wir auch im Diskurs mit unseren Bauherren immer wieder auf die notwendigen Qualitäten“, sagt Axel Koschany. Selbstverständlich kommt auch hier BIM zum Einsatz, das insbesondere in der Verbindung mit der seriellen Fertigung große Vorteile mit sich bringt. Erste Projekte wurden in Bochum und Dortmund realisiert, über 40 sind bundesweit in der Vorbereitung – unter anderem in Köln. In Bremen konnte KZA zudem den Wettbewerb für die Neubebauung eines Areals gewinnen, das derzeit mit Behelfsgebäuden bebaut ist. Obwohl alle Häuser aus den gleichen Modulen zusammengesetzt werden, hat jedes für sich ein individuelles Aussehen. „Wir haben alle Gebäude unterschiedlich konfiguriert, mal mit außen liegendem Laubengang, mal mit Fluren im Innern. So lässt sich von außen nicht erkennen, dass überall derselbe Modulbaukasten verwendet wurde.“

„Klassisch“ geht auch

Bei aller modernen und innovativen Ausrichtung gehört auch das klassische Architekturgeschäft zu den Kompetenzen des über 70-köpfigen Mitarbeiterteams von Koschany + Zimmer Architekten KZA. Für die GWG Wohnungsgesellschaft Rhein-Erft plant das Unternehmen derzeit ein Projekt mit frei finanziertem und gefördertem Wohnungsbau in Köln-Weiden: Auf einem Grundstück am Marienweg sollen fünf Mehrfamilienhäuser mit 33 Wohnungen und eine Tiefgarage entstehen. An anderer Stelle hat das Büro schon vor Jahrzehnten Spuren in der Region hinterlassen: Für die ALDI-Süd-Gruppe baute KZA unter anderem die Logistikzentren in Eschweiler, Dormagen und St. Augustin, die inzwischen um Bürogebäude und Kühlzentren ergänzt wurden.

In Dortmund konnte sich KZA gerade gemeinsam mit dem Spar- und Bauverein Dortmund im Wettbewerb gegen bundesweit 16 Konkurrenten durchsetzen und wird an zentraler Stelle am Königswall drei neue Wohngebäude errichten. Die Kooperation zwischen einem Käufer und Bauträger und einem Architektenbüro war in der Ausschreibung gefordert. „Es gab durchaus Bewerber, die beim Verkauf mehr Geld in die Stadtkasse gespült hätten, aber unser architektonisch-inhaltliches Konzept überzeugte für diese prominente Lage in der Innenstadt“, freut sich Axel Koschany.

Das Architektenbüro

Die heutige Koschany + Zimmer Architekten GmbH wurde bereits 1959 von Günter Koschany gegründet. Den Schwerpunkt seiner Tätigkeit legte er seinerzeit auf Industrie und Forschung, später folgten aber auch Wohn- und Verwaltungsbauprojekte. Wie es der Zufall wollte, entschied sich Sohn Axel ebenfalls für das Architekturstudium. Während seiner Studienzeit in Darmstadt lernte er Wolfgang Zimmer kennen, der im Studium bereits weiter fortgeschritten war. Zimmer zog es zunächst ins Ausland, und bei seiner Rückkehr war Günter Koschany gerade auf der Suche nach Führungsunterstützung für sein inzwischen gewachsenes Unternehmen. Axel Koschany ging auch zunächst ins Ausland, trat dann aber ebenfalls in den väterlichen Betrieb ein, und die drei führten das Büro ab 1995 als gleichberechtigte Partner. Drei Jahre später zog der Gründer sich aus dem Geschäft zurück, und bis 2014 waren Axel Koschany und Wolfgang Zimmer alleinig für das fortschreitende Wachstum der Essener verantwortlich. „Dann haben wir uns entschieden, eine mittlere Führungsebene einzuziehen, weil sich unsere Aufgaben doch immer mehr verlagert haben.“ Seitdem gehören Nina Bendler, Stefan Blieffert und Stephan Davidheimann als Direktoren mit Prokura mit zur Unternehmensführung.

Und so wie es aktuell aussieht, steht die dritte Generation in den Startlöchern: Axel Koschanys Sohn Kéan studiert in München Architektur.

Ausgabe 01/2018