INTERVIEW MIT LUTZ GRONAU: Planen und Bauen in Corona-Zeiten

Lutz Gronau, Inhaber der Gronau GmbH in Wegberg, beschreibt im Interview, wie sich die Corona-Krise auf seine Branche auswirkt, und plädiert dafür, die Krise auch als Chance für positive Veränderungen zu nutzen.
Gronau-Geschäftsführer Lutz Gronau
Gronau-Geschäftsführer Lutz Gronau

REGIO MANAGER:
Herr Gronau, skizzieren Sie doch bitte einmal kurz Ihr Tätigkeitsfeld. Welche konkreten Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Ihre Branche?
Lutz Gronau:
Wir sind ein inhabergeführtes Familienunternehmen, das 1975 gegründet wurde und sowohl als Projektentwickler, Planer wie auch als ausführender Generalunternehmer aktiv ist. Der Großteil unserer überwiegend mittelständischen Kunden ist am Niederrhein und im Rheinland ansässig. Als Projektplaner bzw. Architekten übernehmen wir sämtliche Leistungen vom Entwurf bis hin zur Fertigstellung. Darüber hinaus sind wir als Generalunternehmer auf schlüsselfertiges Bauen für den Einzelhandel sowie von Gewerbehallen, Industriebauten, Bürogebäuden und Wohnkomplexen spezialisiert. Selbstverständlich war der Lockdown im März/April auch für uns ein Novum. Persönliche Kontakte waren und sind schwer, interne Besprechungen, Kundengespräche, Abstimmungen mit Fachingenieuren und Behörden fielen aus oder mussten digital stattfinden. Einzelne Projekte wurden verschoben. Davon abgesehen haben sich für unseren Tätigkeitsbereich jedoch glücklicherweise nicht viele negative Konsequenzen ergeben. Das hat auch damit zu tun, dass wir von unserem Leistungsportfolio her relativ breit aufgestellt sind und auf ein großes Kundenspektrum blicken können. In der Corona-Krise gestaltet sich der Baualltag nun mit anderen Schwerpunkten. Die bestmögliche Einhaltung der gewünschten Hygieneregeln muss beachtet werden. Hierbei sind Baustellen bis zur geschlossenen Hülle sicher einfacher zu bewerten als Baustellen im Ausbauzustand oder sogar komplexere Umbauten auf kleiner Fläche und großem Zeitdruck.
REGIO MANAGER:
Glauben Sie, dass man der Corona-Krise als Unternehmer eventuell auch Chancen abgewinnen kann?
Lutz Gronau:
Von innen betrachtet haben Krisen immer wieder deutlich gemacht, dass man Gelegenheiten nutzen und aus der Situation heraus Veränderungen durchführen kann, die zumindest mittelfristig einen großen positiven Effekt haben. Denn auf der Suche nach Antworten findet man in der Krise tatsächlich oft auch neue Chancen. Digitalisierung, Homeoffice, Mitarbeiterflexibilität, neue Absatzwege und -märkte oder neue Geschäftsideen sind hier nur einige Stichwörter. Darüber hinaus gibt es aus unserer Sicht auch den Ansatz der baulichen Veränderung, also die Möglichkeit, neue Ideen in die Planung mit einzubringen, auf die man vielleicht erst durch die Krise gestoßen ist. Wir sehen z. B., dass viele Unternehmen während des Lockdowns gemerkt haben, dass das Arbeiten im Homeoffice besser funktioniert als erwartet. Insofern denken einige nun darüber nach, die vorhandenen Büro-Arbeitsplätze zu reduzieren, aus Großraumbüros mehrere Einzelbüros zu machen oder Ähnliches.
REGIO MANAGER:
Gibt es Themen oder Trends in der Baubranche, die nun durch die Corona-Krise mehr in den Hintergrund getreten sind?
Lutz Gronau:
Aus meiner Sicht sind das vor allem die Themen Nachhaltigkeit und Finanzierung. Eigentlich bietet es sich momentan an, in Immobilien zu investieren, da die Finanzierungen günstig sind. Viele Unternehmer verfügen aber auch über ein hohes Eigenkapital, für das, wenn es nur auf dem Konto liegt, Negativzinsen drohen. In diesem Fall ist die Umsetzung von neuen Strukturen, Produktionsabläufen oder Modernisierungen im eigenen Unternehmen eine rentable Alternative. Und wenn dann der Gedanke an Energieeffizienz mit ins Spiel kommt, schließt sich für uns der Kreis durch das sich daraus entwickelnde nachhaltige Denken. Dass es gerade jetzt in der Krise wichtig ist, aktiv zu werden, innovative Projekte nicht auf die lange Bank zu schieben und sich von negativen Tendenzen nicht ausbremsen zu lassen, ist einer unserer Grundgedanken. Es geht darum, sich zu überlegen, wie kann ich mich als Unternehmen verändern, um mittel- bis langfristig auf solideren Beinen zu stehen? Werden die angesprochenen Veränderungsprozesse aktiv angegangen, profitiert letztlich das gesamte Unternehmen davon. Moderne Arbeitsplätze und optimierte Prozesse erhöhen die Mitarbeiterzufriedenheit und machen das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver, während eine verbesserte Energiebilanz die laufenden Kosten reduziert.
REGIO MANAGER:
Herr Gronau, herzlichen Dank für das Gespräch. Miriam Leschke | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 04/2020