Homeoffice, Präsenzarbeit oder Hybridmodell: die Vor- und Nachteile

Was sind die Vor- und Nachteile dieser Arbeitsformen, und was sind die Vor- und Nachteile flexibler Arbeitsformen?
Foto: © REDPIXEL – stock.adobe.com
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Infolge der Corona-Pandemie bieten viele Unternehmen ihren Mitarbeitern verschiedene Arten von Arbeitsmodellen an. Einige Unternehmen kehren zur Präsenzpflicht im Büro zurück oder weiten die Fernarbeit extrem aus, viele andere wiederum haben Vereinbarungen von flexiblem Büro- und Homeoffice-Arbeiten getroffen. Was sind die Vor- und Nachteile dieser Arbeitsformen, und was sind die Vor- und Nachteile flexibler Arbeitsformen?

Hybride "Post-Covid"-Vereinbarungen

Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums wünschen sich nach dem Ende der COVID-19-Pandemie zwei Drittel der Menschen in aller Welt, flexibler zu arbeiten.

Als das Coronavirus ausbrach, führten viele Unternehmen mobiles Arbeiten ein. In dieser Zeit bestätigte sich, dass eine flexible Arbeitsweise effizient, effektiv und produktiv sein kann. Viele Unternehmen haben davon profitiert und bewiesen, dass Telearbeit möglich ist.

Doch nicht alles, was von zu Hause aus gesteuert wird, funktioniert. In der verarbeitenden Industrie sind Tätigkeiten - mit Ausnahme der Bürotätigkeiten - in der Regel nicht einfach von zu Hause ausführbar. Auch wenn viele Labors und Fabriken dank fortschrittlicher Technologie aus der Ferne überwacht werden können, können viele Unternehmen ohne die Anwesenheit eines Menschen nicht richtig funktionieren.

Arten hybrider Arbeitsmodelle

Es lassen sich drei Arten von hybriden Arbeitsmodellen unterscheiden, und zwar

  • Fakultatives Modell
  • Erforderliches Modell
  • Schichtmodell

Fakultatives Modell

Bei diesem hybriden Arbeitsmodell können die Arbeitnehmer entweder zur Arbeit kommen oder von zu Hause aus arbeiten. Bei diesem flexiblen Modell können sie wählen, an welchem Tag sie lieber im Büro arbeiten möchten. Sie können aus einem Pool vorgegebener Tage wählen, aber wenn sie nicht wollen, ist es nicht notwendig, überhaupt zu erscheinen, da es fakultativ ist.

Dieses Modell war während der Pandemie sehr beliebt. Auch wenn die meisten Menschen vollständig von zu Hause aus arbeiteten, gaben ihnen die Unternehmen die Möglichkeit, sich mit Kollegen zu treffen und Kontakte zu knüpfen, wenn die erforderliche soziale Distanz und die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen eingehalten wurden. Wenn sie sich dafür entschieden haben, zu Hause zu bleiben, erfolgt die Verbindung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern beim fakultativen Arbeitsmodell in der Regel über Team-Kollaborationsdienste.

Erforderliches Modell

Bei dieser Art des hybriden Arbeitsmodells müssen die Arbeitnehmer mindestens einmal pro Woche am Arbeitsplatz erscheinen. Die Arbeitnehmer können abermals aus einem Pool vorgegebener Tage wählen, aber ihre Anwesenheit ist an mindestens einem, zwei oder mehr Tagen wöchentlich erforderlich, je nach den Anforderungen des Arbeitgebers. Bei dem geforderten Modell der hybriden Arbeit ist es wichtig, im Büro zu erscheinen, aber ein Teil der Arbeit kann von zu Hause aus erledigt werden.

Viele Unternehmen haben sich dafür entschieden, Termine für verschiedene Abteilungen festzulegen; so kommt beispielsweise das Marketingteam montags und mittwochs und das Produktteam dienstags und donnerstags. So können sich die Manager über die Arbeit ihrer Mitarbeiter auf dem Laufenden halten und persönliche Gespräche führen.

Schichtmodell

Viele Mitarbeiter arbeiteten während der Pandemie aus der Ferne. Deshalb ist das Schichtmodell für viele Menschen am schwierigsten, weil sie ihr Leben nun auf die spezifischen Arbeitszeiten abstimmen müssen. Bei diesem Hybridmodell arbeiten die Beschäftigten im Schichtbetrieb, wobei sie abwechselnd von zu Hause aus und vor Ort am Morgen oder Abend arbeiten. Vor allem für Menschen mit Kindern ist es schwierig, während der Früh- oder Nachtschichten Lösungen für die Kinderbetreuung zu finden.

Die Arten von Hybridmodellen unterscheiden sich oft je nach Branche oder Funktion. Viele Unternehmen passen ihr Betriebsmodell an das Geschäft und die Lösungen nach der Pandemie an.

Was sind die Vorteile von Hybridarbeit?

Sowohl Unternehmen als auch die Mitarbeiter können vom flexiblen Arbeiten profitieren. Die Unternehmen könnten u.U. an Bürofläche und diesbezüglichen Betriebskosten sparen und somit die unternehmerische Belastung an dieser Stelle reduzieren, wohingegen die Mitarbeiter Zeit sparen, weil die manchmal zeitraubende An- und Abfahrt zum Arbeitsplatz entfällt. Viele führende Unternehmen wie Google, Facebook und Amazon bieten ein hybrides Arbeitssystem an, und einige, wie Spotify, erlauben es ihren Mitarbeitern, von überall aus zu arbeiten, wo sie möchten.

Der Unterschied zwischen einem hybriden Arbeitsmodell und einem Office-first-Modell besteht darin, dass die Menschen selbst entscheiden können, wann sie arbeiten möchten. Manche fangen ausnehmend früh an und sind zu diesen Stunden am produktivsten, während für andere die Bürozeiten (9 bis 17 Uhr) am besten sind. Wieder andere ziehen es vor, ihre Arbeit am späteren Abend zu beenden. Dank der Flexibilität können die Mitarbeiter dann arbeiten, wenn sie ihr persönliches (biologisches) Leistungsmaximum erreichen. Ihre Produktivität hängt aber auch von der Umgebung ab, in der sie sich aufhalten, ob es ein sicherer Ort ist und ob sie ein ausgewogenes Arbeitsleben haben.

„Die Arbeitnehmer fordern auch Autonomie bei der Entscheidung, wann und wo die Arbeit erledigt wird: Von denjenigen, die an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind, gibt eine Mehrheit an, dass flexible Arbeitszeiten (60 Prozent) und hybride Arbeitsformen (57 Prozent) den Stress verringern könnten.“
Quelle: McKinsey, Rückkehr zur Arbeit: Schlüssel zu einem psychologisch sichereren Arbeitsplatz, 12. Juli 2021

Work-Life-Balance

Wenn die Menschen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit haben, können sie produktiver und effizienter arbeiten. Wenn sie ihre Arbeitszeiten kennen, können sie auch Aktivitäten außerhalb der Arbeit planen, z. B. Zeit mit der Familie verbringen, sich mit Freunden treffen, Sport treiben oder sogar für eine Lieferung zu Hause sein. Diese einfachen Beispiele sind Faktoren, die das Wohlempfinden der Menschen beeinflussen. Eine Person, die zu viele Aufgaben zu erledigen hat (Overtasking) und kaum Freizeit hat, hat kein ausgewogenes Arbeits- und Privatleben (von medizinischen Risikofaktoren einmal völlig abgesehen). Bei einem flexiblen Arbeitsplan ist es dagegen leicht, ein Gleichgewicht zu finden.

„Die Fähigkeit, Arbeit, familiäre Verpflichtungen und Privatleben erfolgreich zu vereinbaren, ist wichtig für das Wohlbefinden aller Mitglieder eines Haushalts. Die Regierungen können dazu beitragen, dieses Problem anzugehen, indem sie unterstützende und flexible Arbeitspraktiken fördern, die es den Eltern erleichtern, ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu finden.“
Quelle: OECD-Index für ein besseres Leben

Gesteigerte Produktivität

Die Produktivität hängt von der Umgebung ab, und viele Menschen können nicht konzentriert arbeiten, wenn sie abgelenkt werden. Insofern ist das mobile Arbeiten dann schwierig, wenn zu Hause auch Kinder zu betreuen sind, die Aufmerksamkeit von den Beschäftigten fordern. Deshalb könnte die Möglichkeit, ins Büro zurückzukehren, bessere Arbeitsbedingungen schaffen. Auch für Extrovertierte waren die zurückliegenden Monate eine schwierige Zeit ohne soziale Kontakte. Das Hybridmodell passt zu jedem Menschentyp, denn je nachdem, was er bevorzugt, kann er wählen, ob und wann er im Büro oder von zu Hause aus arbeiten möchte.

Laut einer Umfrage der Boston Consulting Group in den ersten Monaten der Epidemie gaben 75 % der Angestellten an, dass sie ihre Produktivität bei ihren jeweiligen Aufgaben, wie der Analyse von Daten, dem Schreiben von Präsentationen und der Erledigung von Verwaltungsaufgaben, aufrechterhalten oder verbessern konnten. Darüber hinaus gab mehr als die Hälfte aller Befragten (51 %) an, dass sie ihre Produktivität bei der Arbeit an gemeinsamen Projekten aufrechterhalten oder verbessern können.

Sichere Umgebung

Gerade jetzt, wo sich in der Welt eine "neue Normalität" einstellt, hängt es von den Unternehmen ab, wie sie ihre Arbeitskräfte und sich selbst auf die Rückkehr vorbereiten. Je weniger Menschen arbeiten, desto geringer ist die Gefahr, dass kranke Arbeitnehmer andere anstecken. In einem hybriden Arbeitsmodell kann daher eine Person, die sich nicht wohl fühlt, zu Hause bleiben, ohne die Gesundheit anderer zu gefährden.

Die Daten der McKinsey-Umfrage 2021 zeigen, dass Arbeitnehmer, die nach der Zeit der Fernarbeit an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, ein flexibles Arbeitssystem erwarten. Was die Covid-19-Sicherheitsmaßnahmen betrifft, so wünschen sich die Menschen eine bessere Luftfilterung. Bis zu 62 % der Befragten gaben an, dass dies den Stress, den sie bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz empfinden könnten, verringern würde.

Internationale Arbeitnehmer

Arbeitsplätze mit Vielfalt haben viele Vorteile als die besten Arbeitsumgebungen. Wenn ein Unternehmen die Anwesenheit eines Arbeitnehmers nicht voraussetzt, kann es jemanden aus einem anderen Teil der Welt einstellen und von einem ausländischen Talent profitieren. Die Idee, verschiedene Kulturen kennenzulernen, neue Sprachen zu lernen und einzigartige Spezialisten zu finden, verbessert Organisationen. Die Auswahl aus einem Pool von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten hilft einem Unternehmen, sich zu entwickeln, einen neuen Markt zu erschließen und neue Produkte auf den Markt zu bringen.

Kosten reduzieren

An einem aktiven Arbeitsplatz muss sichergestellt werden, dass die Ausrüstung und die Geräte in einem guten Zustand sind und die Mitarbeiter alles haben, was sie brauchen. In einem hybriden Modell nutzen die Arbeitnehmer ihr eigenes Internet und manchmal auch ihre eigene Ausrüstung und müssen nicht in die Büros gehen und die Reisekosten tragen. Das bedeutet, dass sowohl das Unternehmen als auch der Arbeitnehmer weniger Ausgaben tätigen müssen, um das gleiche Einkommen zu erzielen.

Anpassung an ein hybrides Arbeitsmodell

Das hybride Arbeitsmodell ist gleichermaßen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktiv. Der Wunsch nach flexibler Arbeitszeitgestaltung zu Gunsten des Arbeitnehmers wird stärker. Jedoch können nicht alle Unternehmen nach einem hybriden, flexiblen Arbeitsmodell arbeiten. Für den erfolgreichen Aufbau einer Infrastruktur ist es wichtig, in Technologien zu investieren, z. B. in Kommunikationsmittel, die virtuelle Besprechungen und eine ständige Kommunikation mit mobil arbeitenden Mitarbeitern ermöglichen.

Unternehmen, die sich an ein sich ständig veränderndes Umfeld anpassen können, profitieren am meisten, denn niemand weiß, was die Zukunft bringt. Vor der Pandemie war mobiles Arbeiten die Ausnahme, allein schon wegen fehlender Arbeitsmittel und fehlender Vereinbarungen. Jetzt müssen sich die Unternehmen auf hybride Arbeitszeitmodelle einstellen, weil es vom exotischen Sonderfall zum weit verbreiteten Teil der Betriebsorganisation geworden ist.
Ausgabe 03/2021