Ossendorf Stahlbau: Begeistert von tonnenschweren Herausforderungen

Der stählerne Rücken der Logistikbranche kommt aus Ahaus.
Die Ossendorf GmbH Stahlbau ist spezialisiert auf Entwurf und Konstruktion von Verpackungslösungen für Schwerlastgüter sowie deren baurechtliche Zertifizierung (© Gerd Lorenzen)
Die Ossendorf GmbH Stahlbau ist spezialisiert auf Entwurf und Konstruktion von Verpackungslösungen für Schwerlastgüter sowie deren baurechtliche Zertifizierung (© Gerd Lorenzen)
Es ist ein so besonderes Spezialgebiet, dass sich die Mitarbeiter von Ossendorf Stahlbau einen eigenen Begriff dafür ausdenken mussten: „Transport-Mechanik“. Wenn man das googelt, landet man direkt oder indirekt immer in Ahaus. Ein Zufall ist das nicht, meint Geschäftsführer Jörg Blisniewski: „Diese Region hier, das westliche Münsterland, ist voll von Hidden Champions. Darunter sind viele Metall be- und verarbeitende Betriebe und viele Familienunternehmen so wie wir. Es spielt eben sehr wohl eine Rolle, ob man nur Geschäftsführer irgendwo ist oder ob man für seine Firma brennt. Ich habe mal den Vergleich gehört, dass das Westmünsterland sozusagen das Baden-Württemberg von NRW sei, und fand ihn sehr treffend. Ich glaube, wenn eine bodenständige Grundhaltung vorherrscht, ist das die ideale Basis für die Entwicklung von Innovationen.“ Dass die Ossendorf GmbH heute zu den führenden Unternehmen gehört, wenn es darum geht, sehr schwere, sperrige und gleichzeitig empfindliche Güter sicher von A nach B zu bringen, hat seinen Ursprung vor etwa 17 Jahren. Damals waren die Stahlbauer mit dem Neubau der Halle eines großen Logistikers betraut. „Wenn immer voluminösere Bauteile bewegt werden müssen, die auch noch sehr viel wiegen, kommen die klassischen Holzbauer irgendwann an ihre Grenzen. Wir wurden gebeten, so ein Transportproblem mit einer Stahlkonstruktion zu lösen. Das war eine echte Herausforderung für unsere Ingenieure und Statiker. Nachdem sie diese gemeistert hatten, landeten immer mehr solcher Anfragen bei uns. Heute ist unsere Ingenieurskunst genau auf diesem Gebiet ein echtes Alleinstellungsmerkmal.“ In enger Absprache mit dem Logistiker und dem Hersteller eines schweren, wertvollen und nicht leicht zu transportierenden Gegenstandes entwickelt die Ossendorf GmbH für jedes Projekt eine neue, maßgeschneiderte Lösung.

Technisch sicher – und sicher auf dem Papier

Wenn Güter, die mehrere Millionen Euro teuer und teilweise viele Hundert Tonnen schwer sind, auf die Reise gehen, sind mögliche Risiken immer mit unterwegs. „Haftungsfragen spielen eine große Rolle“, erläutert Jörg Blisniewski. „Das betrifft zunächst den Transport selbst. In Buenos Aires fiel mal ein Wärmetauscher, der per Schiff verladen werden sollte, durch die Wahl falscher Anschlagmittel der Hafenbetreiber vom Haken. Zu dem Sachschaden des Teils selbst und den Schäden beim Aufprall drohten dann astronomische Konventionalstrafen. Nicht nur im Kraftwerksbereich – und dafür war der Tauscher bestimmt – wird mit Maschinen Geld verdient. Jeder halbe Tag Verzug kostet teilweise eine Million US-Dollar.“ Neben den technischen Kenntnissen, die mit der perfekten Transport-Lösung solch einen Vorfall nahezu unmöglich machen, haben die Experten von Ossendorf mittlerweile auch spezielle Fähigkeiten entwickelt, die die Deklarations-Dokumente betreffen. „Als wir damals mit der Transport-Mechanik begannen, zeigte sich, dass die Rechtslage der Dokumente und anzuwendenden Normen und Richtlinien teilweise nicht global vollständig geregelt ist. Konkret: Wenn man etwas baut, was es so noch nicht gegeben hat, kann es sein, dass es für die technische Abwicklung der Transporte noch keine klar anzuwendenden Richtlinien und Normen gibt. Hier sind die Vorschriften sehr speziell und national sehr unterschiedlich. Per definitionem kann ein und dasselbe Bauteil als Maschine betrachtet werden – mit besonderen Normen – oder eben nur als Bauteil, wobei dann ganz andere Regeln greifen. Den Unterschied macht z.B. einfach die Tatsache, ob man den Kran an einer Transportkonstruktion oder direkt an dem zu transportierenden Bauteil anschlägt. Teilweise haben wir uns auch mit Spezialisten zusammengesetzt und es wurde das entsprechend zutreffende Normen-Regelwerk ergründet und angewendet.“ Die gängige und recht umfangreiche Stahlbau-Norm, die EN-1090, ist bei den Transportkonstruktionen nicht anwendbar. Immer wieder neu denken und neu ansetzen mussten die Ossendorfer Spezialisten in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Mittlerweile gibt es kaum einen Bereich, in dem sie noch nicht neue, rechtssichere Lösungen für die Kunden fanden.

Ingenieurwissen und modernste Technik sind gefragt

Es liegt in der Natur der Sache, dass die zu verschickenden Güter nicht in Ahaus landen, wenn hier ihre Transport-Verpackung gebaut wird. Schließlich kann man sie ja erst verschicken, wenn die Techniker ihre Arbeit getan haben. „Die Kunden schicken uns genaue Zeichnungen und Maße auf CAD-Basis“, so Blisniewski. „So können unsere Statiker mit der entsprechenden Software genau berechnen, wo die Schwerpunkte liegen und an welcher Stelle welche Kräfte wirken. Denn auch das ist entscheidend: Wird etwas per Luftfracht, Schiff, Bahn oder auf der Straße transportiert? Je nachdem gibt es unterschiedliche Beschleunigungswerte und Rahmenbedingungen, die wir berücksichtigen müssen, und unterschiedliche Regularien, die von außen einwirken.“ Komplexe Bauteile werden oft mit Daten-Loggern versehen, mit genauen Messcomputern, bevor sie in seewasserfeste Folie eingeschlagen auf die Reise gehen. Der Kunde kann dann jederzeit genau verfolgen, wo seine Fracht ist und welche Beschleunigungsverläufe einwirken. Wie lange war ein Bauteil im Hafen, wann hat es welche Ländergrenze passiert – all diese Aufzeichnungen sind wichtig. Neue Wege zu beschreiten, neue Zertifizierungen für Spezialtransporte zu entwickeln, das ist mittlerweile eine echte Kernkompetenz von Ossendorf. „Einmal hatten wir einen Auftraggeber, der Kernkraftwerke in Skandinavien abbauen sollte. Wir erstellten Hilfskonstruktionen, mit denen sowohl die auseinandergebrannten Elemente der äußeren Hülle als auch des Reaktorkerns aufgenommen werden konnten, und klärten die Zertifizierungslage dieser Konstruktionen. Ganz oft müssen wir uns in völlig neue Aspekte einarbeiten.“ Teure, schwere Kolosse sind dabei trotzdem auch fragil. Eine 1000 Tonnen schwere Maschinenbaugruppe hat empfindliche Einzelkomponenten. Diese würden sensibel auf Beschleunigungswerte reagieren, also ist die Transportart entscheidend. Jörg Blisniewski hat selbst Ingenieurwesen für Flugzeugbau studiert. Bei aller Technik gibt es aber durchaus auch mal emotionale Momente in seiner Arbeit.

Am Ende steht ein Weihnachtswunder

Wie viel das Expertenwissen aus Ahaus bedeutet, dazu gibt es eine Geschichte, die Jörg Blisniewski immer noch in guter Erinnerung hat: „Für einen der größten Stahlkonzerne mussten wir die Kurbelwelle einer Gesenkschmiede, mit der wichtige Schlüsselkunden bedient wurden, für den Transport in die USA fertig machen. Dieses Bauteil gab es weltweit überhaupt nur drei Mal. Der Vizechef eines amerikanischen Stahlwerks sprach persönlich bei uns vor. Er sah sich mit unfassbar hohen Konventionalstrafen konfrontiert durch den Stillstand der riesigen Schmiede. Wir begannen sofort mit den Berechnungen und er war tatsächlich fast zu Tränen gerührt. Wenig später, genau zu Heiligabend, hob dann eine Antonov in Frankfurt am Main ab.“ Lange hinterhersehen können die Ossendorfer Experten so einem Flieger aber nicht: Transport-Mechanik ist ein Bereich, der jeden Tag neue Herausforderungen mit sich bringt.

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Ausgabe 03/2021

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