Rosner Logistik: Rosner goes Jumbo

Mit seinen über 200 eigenen Lkw sowie weiteren Fahrzeugen von Subunternehmen gehört die Rosner Logistik GmbH zu den größten Speditionsunternehmen im Münsterland. Die Transportspezialisten aus Oelde gelten als Erfinder des „Systems Rosner“.

Die Geschäftsführung Markus und Michael Rosner (v.l.) (© Holger Bernert )
Die Geschäftsführung Markus und Michael Rosner (v.l.) (© Holger Bernert )

Mit der Organisation, Durchführung und Steuerung von großvolumigen Ladungsströmen hat sich die Oelder Logistikgruppe mit ihren fünf Standorten in Deutschland, Tschechien und Polen einen Spitzenplatz in der europäischen Transportbranche gesichert. „Großvolumen-Transporte gehören zu unserem täglichen Geschäft“, sagt Michael Rosner, der das Familienunternehmen mittlerweile in der vierten Generation als kaufmännischer Geschäftsführer leitet. Sein Großvater Ludwig Rosner hat als „Jumbo-Pionier“ Geschichte geschrieben. „Wir transportieren vor allem voluminöse Fracht wie Dämmstoffe, Verpackungsmaterial, Kunststoffrohre und Automotive “, so der Speditionskaufmann und Verkehrsfachwirt weiter. Zum Einsatz auf den Straßen im internationalen Verkehr kommen Lkw mit einem Ladevolumen von 38 Europaletten-Stellplätzen zum Einsatz. „Wir arbeiten ausschließlich mit dem Wechselbrückensystem (BDF)“, erklärt Markus Rosner, der als a für den Technikbereich verantwortlich ist. „Dieses sehr flexible System hat den Vorteil, dass die Wechselbrücken beim Kunden stehen bleiben können und das Zeitmanagement bezüglich der Be- oder Entladung in der Hand des Kunden liegt.“ Derzeit sind 50 Lkw mit Mitnahmestapler ausgestattet. „So können unsere Fahrer auf Wunsch des Kunden die Be- und Entladung vor Ort übernehmen“, so der Kfz-Meister weiter. „Das spart Zeit und Geld. Gerade auf Baustellen, die regelmäßig mit Mineralwolle beliefert werden, wird dieser Service gerne in Anspruch genommen.“

Bewegte Familiengeschichte

Die Tugenden Tatkraft, Findigkeit und Optimismus wurden Michael und Markus Rosner förmlich in die Wiege gelegt. In der schlesischen Stadt Neisse legte Urgroßvater Franz Rosner 1925 den Grundstein für den heutigen Erfolg des Familienunternehmens, als er nach erfolgreichem Abschluss seiner Autoschlosserlehre einen Lkw kaufte. Er transportierte am Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Pferdefuhrwerk Kies und Holz. Franz spezialisierte sich in der Beamtenstadt auf Umzüge und den Transport von Möbeln. Nach dem Krieg und der damit verbundenen Flucht kam er nach Oelde. In der neuen Heimat gründete er erneut eine Spedition. Gemeinsam mit seinem Sohn Ludwig errichtete er 1962 auf einem 3.000 Quadratmeter großen Grundstück neben einem Wohngebäude für die Familie auch eine Lagerhalle mit angeschlossener Lkw-Werkstatt und Büroräume. Das Unternehmen wuchs stetig. Ein erneuter Rückschlag ereilte die Familie, als es im Spätherbst 1979 zu einem verheerenden Feuer kam. Zum Glück konnten die Fahrzeuge mitsamt Anhängern vor den Flammen gerettet werden. Durch Brandstiftung brannte das Firmengebäude bis auf die Grundmauern nieder. Bereits zwei Jahre nach der Zerstörung verfügte das Unternehmen am neuen Standort „Am Landhagen“ über ein neues 32.000 Quadratmeter großes Areal. Mit 35 eigenen Lkw, 50 Anhängern und 120 Wechselbrücken ging es erfolgreich weiter. Als sich Ludwig Rosner Anfang 1996 aus der Firmengruppe zurückzog, übernahm sein Sohn Franz-Peter ein florierendes Speditionsunternehmen mit 300 Lkw und Anhängern, 1.500 Wechselbrücken sowie 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit Michael und Markus Rosner führt nun die vierte Generation die Geschicke des Familienunternehmens. Ihr Vater, Franz-Peter Rosner, steht den beiden Söhnen bei Bedarf immer noch beratend zur Seite. Aus den bescheidenen Anfängen vor fast 100 Jahren ist eine schlagkräftige Unternehmensgruppe gewachsen, die mit eigenen Gesellschaften in drei Ländern in den Geschäftsbereichen Transport und Spedition, Lagerhaltung, Logistik und Mehrwertdienstleistungen sowie eigenen Werkstätten und Fahrzeugbau aktiv ist.

Sternstunden der Nachhaltigkeit

Das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt den Brüdern sehr am Herzen. „Wir gehen auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Fahrer ein“, sagt Fuhrparkchef Markus Rosner. „Unsere Fahrzeuge tragen ausschließlich einen Stern auf dem Kühlergrill. Hier machen wir keinerlei Kompromisse und setzen auf Qualität. Damit erfahren unsere Fahrer, die tagtäglich auf den Straßen unterwegs sind, eine besondere Wertschätzung.“ Denn der Lkw ist für die Fahrer Arbeitsplatz, Wohnzimmer und Schlafstätte zugleich. Entsprechend hochwertig sollte auch die Ausstattung sein. Neben Kaffeemaschine und Kühlschrank befinden sich natürlich Mikrowelle und TV-Gerät an Bord. „Als Familienunternehmen spielt der Umweltschutz natürlich eine große Rolle“, weist Markus Rosner auf ein Pilotprojekt in der Spedition hin. Anfang März wurden auf den Dächern von fünf Zugmaschinen Sonnenkollektoren installiert. „Bisher mussten ständig die Motoren laufen, wenn der Fahrer auf einem Parkplatz seine Wochenendruhezeit einhielt, um Kaffee zu kochen oder Fernsehen zu schauen. Mit dem von der Sonne erzeugten Strom werden nun die Lkw-Batterien zusätzlich gespeist und der ständige Motorenleerlauf minimiert. Nach positivem Feedback wird die gesamte Flotte mit dieser Technik ausgestattet.“ Auch während der Fahrten setzt Rosner Logistik auf Ressourcenschonung. „Jeder nicht gebrauchte Liter Diesel trägt ökonomisch und ökologisch zur einer besseren Umweltbilanz bei“, ist sich Michael Rosner sicher. „Durch permanentes Training unserer Fahrer und kontinuierliche Weiterbildungen wollen wir diese Ziele erreichen.“ Der gesamte Fuhrpark besteht zudem aus schadstoffarmen Fahrzeugen mit EURO6-Motoren. Um die Umwelt nachhaltig auch am Standort Oelde zu schonen, sorgt eine Solaranlage mit 150 kWp Leistung auf dem Gelände des Familienunternehmens für ausreichend Strom. Des Weiteren wird die hauseigene Lkw-Waschanlage mit Regenwasser betrieben. Die Rosner-Gruppe ist neben ISO 9001 IFS-Logistics und HACCP für ihr verantwortungsbewusstes Umweltmanagement mit ISO 14001 zertifiziert.

Digitalisierung

Mit wenigen Ausnahmen verzichtet Rosner Logistik komplett auf umständliche zeitaufwendige Dokumentationen und das Ausfüllen von Listen per Hand. „Elektronisch erstellte Frachtbriefe erleichtern unseren Auftraggebern und Fahrern die tägliche Arbeit“, so Michael Rosner weiter. „Der Papierberg wird von Tag zu Tag kleiner. Smarte Tachografen tragen dazu bei, dass die Dokumentationen korrekt ausgeführt und die Arbeitszeiten exakt erfasst werden. Dies vereinfacht vor allem die Lohnabrechnung für unsere Fahrer. Darüber hinaus setzen unsere Disponenten neueste Telematiksysteme ein, um die Routen für die innereuropäischen Transporte optimal zu berechnen.“ Entsprechend geringer fallen dabei die fahrenden Leerkilometer aus, die dank präziser Technik auf ein Minimum reduziert werden. Damit sich die Fahrer auf fremden Straßen wie zu Hause fühlen, sorgen die Navigationsgeräte in den Rosner-Trucks für ein möglichst schnelles Ankommen. „Jeder Trucker ärgert sich, wenn einfache Navis nervtötende Baustellen nicht anzeigen und ein rechtzeitiges Umfahren unmöglich machen“, beschreibt Markus Rosner ein leidiges Problem. „Ungeplante Verspätungen sorgen für vermeidbaren Ärger mit dem Disponenten oder dem Kunden. Aus diesem Grund setzen wir auf zeitgemäße digitale Infrastruktur mit entsprechender Software, die jedem unserer Fahrer als App auf seinem Smartphone zur Verfügung gestellt wird. So können Fahrer, Disponenten und Kunden im Fall der Fälle frühzeitig kommunizieren. Das spart Zeit und Ärger.“

Chefsache

Nicht nur die Kundenakquise ist beim Familienunternehmen aus Oelde Chefsache. Auch in der Mitarbeiterführung sind die Brüder stets auf Augenhöhe mit dem Rosner-Team. Dieses partnerschaftliche Vorgehen führt bei Rosner Logistik zu einer sehr geringen Fluktuation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Unsere Leute identifizieren sich mit uns und verfügen über die Kompetenz, den hohen Anforderungen der Auftraggeber immer gerecht zu werden“, sind sich Michael und Markus Rosner sicher. Vor allem müssen sich die Fahrer während ihrer Arbeitszeit auf dem Bock wohlfühlen. Dies geschieht bei Rosner über abgestimmte Arbeitszeiten und eine faire Entlohnung. Es hat sich mittlerweile unter den Truckern herumgesprochen, dass bei Rosner niemand wegen des Chefs einen anderen Arbeitgeber suchen muss. „Trucker sind halt leidenschaftliche Menschen, die mit Selbstbewusstsein und Stolz ihrer Arbeit nachgehen. Und wir schaffen die Rahmenbedingungen“, so die Brüder unisono. Trotz optimaler Beschäftigungsverhältnisse ist es sehr schwer geworden, geeignete Fahrer oder Fahrerinnen für das Unternehmen zu gewinnen. „Der Markt ist wie leer gefegt“, beklagt sich Michael Rosner. Die aktuelle Auftragslage ist gut, aber uns fehlen die entsprechenden Mitarbeiter. Das Ansehen der Trucker hat sich in den letzten Jahren immer mehr ins Negative entwickelt. Miese Arbeitszeiten, schlechte Entlohnung, kaum Freizeit. Wir wollen als verantwortungsvolle Arbeitgeber diesem schlechten Image entgegenwirken und unternehmen alles, damit sich Lkw-Fahrer wieder als ‚Könige der Landstraße‘ fühlen können.“
Holger Bernert | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 01/2022

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