Hegmann Transit: 100 Jahre Hegmann Transit

Vom Kohlenhändler zum Schwertransportspezialisten.
Mehr als 100 Mega-, Bagger- und Tiefbetten, Planenfahrzeuge und Moduleinheiten zusammen mit 37 Schwerstlastzugmaschinen, insgesamt mehr als 100.000 Quadratmeter Lagerfläche sowie ein Schwerlastterminal im Rhein-Lippe-Hafen in Wesel – beeindruckende Zahlen und Transportleistungen, mit denen die Hegmann Transit GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Sonsbeck heute glänzen kann. Die Anfänge des inzwischen in vierter Generation geführten Familienbetriebes waren jedoch bei Weitem bescheidener. In dem beschaulichen niederrheinischen Dörfchen Sonsbeck wächst Karl Hegmann (geboren 1892) auf dem väterlichen Hof auf. Er lernt dort mit Pferden umzugehen und wird zwischenzeitlich „Bursche“ beim Fürsten Salm zu Salm. Als er 1920 seine Frau Mechthild heiratet, siedelt er um in deren elterliches Anwesen in der Kastellstraße. In dem bisherigen landwirtschaftlichen Betrieb macht sich Karl Hegmann im gleichen Jahr mit einem Kohlenhandel selbstständig. Mit einem vierrädrigen Rollwagen und zwei Pferdegespannen liefert er seine Waren aus und übernimmt auch Transporte für andere Kunden.

Beginn des Speditionsbetriebes mit Motorlastwagen

Als die wirtschaftlichen Folgen der Inflation überstanden sind, kommt der Wandel zur echten Spedition. Karl Hegmann macht 1925 den Lkw-Führerschein und kauft sich einen gebrauchten Lastwagen. Mit diesem fährt er vorwiegend Milch der Sonsbecker Bauern zum Boxteler Bahnhof in Xanten. In den schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise hält sich die junge Firma durch den weiterhin betriebenen Kohlenhandel und Lohndrusch mit einer eigenen Dreschmaschine über Wasser. Als die schwierigen Zeiten weitgehend überwunden sind, steigt Hegmann voll ins Speditionsgeschäft ein. Ein neuer Lastwagen kommt 1928 auf den Hof, ein Henschel mit dem „fortschrittlichen“ Kardanantrieb anstelle der bisher üblichen Antriebsketten. Das Geschäft floriert und 1930 wird ein weiterer neuer Lastwagen angeschafft, wiederum ein Henschel mit Sechszylinder-Benzinmotor, dessen Leistung inzwischen mit 85 PS angegeben wird. Karl Hegmanns Bruder Bernhard hatte sich in Emmerich ebenfalls mit einer Spedition selbstständig gemacht und verfügte über gute Kontakte zu den Betrieben im dortigen Hafen und zur Emmericher Ölmühle sowie in die Niederlande. Karl arrangiert sich mit seinem Bruder und übernimmt Transportaufgaben.

Anschaffung eines Diesellastwagens

Da die Benzinpreise für die vergaserbestückten Hegmann-Lastwagen rapide steigen, wird 1936 ein Fahrzeug versuchsweise auf die neu aufkommende Holzgastechnik umgerüstet, doch die Lösung bewährt sich nicht, sodass man sich nach einem sparsameren Dieselfahrzeug umsieht. Fündig wird man bei Magirus. Ende der Dreißigerjahre kommt der Magirus in den Sonsbecker Fuhrpark und wird die Firma durch den Niedergang während des Krieges und den späteren Wiederaufstieg treu begleiten. Die beginnenden Vierzigerjahre bringen eine Ausweitung des Speditionsbetriebes. Fernfahrten im „Deutschen Reich“ führen bis nach Berlin, Leipzig oder Dresden. Während in der Anfangszeit nur Karl Hegmann hinter dem Steuer seiner wertvollen Lastwagen saß, sind inzwischen auch fremde Fahrer eingestellt. Karls ältester Sohn Bernhard fährt häufig als Beifahrer mit und darf, obwohl nicht volljährig, hin und wieder auch das Steuer übernehmen.

Neubeginn nach dem Krieg

Der Rhein als natürliche Grenze in Europa und dessen Übergänge werden in den letzten Kriegsmonaten zu einem erbittert umkämpften Gebiet. So werden auch das Wohnhaus und die Nebengebäude von Hegmann während der Kampfhandlungen völlig zerstört. Der Magirus musste schon vorher der Wehrmacht „überlassen“ werden und war zunächst unauffindbar. Nach langer Suche erfuhr Hegmann, dass der Wagen im westfälischen Hamm abgestellt sei. Auf dem Bauernhof der Schwester von Karl Hegmann in der Nähe von Bocholt, wo die Familie während der letzten Kriegsmonate untergebracht war, wird der Magirus generalüberholt. Der Magirus mit der Holzgasanlage bildet die Basis für den Neuanfang des Speditionsgeschäfts. Vorwiegend werden Baumaterialien für Sonsbecker Bürger gefahren. Wenn keine Transportaufträge vorliegen, wird die Arbeitskraft in den Wiederaufbau des zerstörten Firmensitzes investiert. Es ist die Zeit des Tauschhandels. Kohle wird gegen Baumaterialien getauscht und Lkw-Fahrten mit Dachziegeln „bezahlt“. Wegen ungenehmigten Tauschhandels muss sich Karl Hegmann sogar vor einem britischen Militärgericht verantworten und erhält eine Arreststrafe mit Verpflichtung zu unentgeltlicher Arbeit an Aufbaumaßnahmen.

Aufschwung in den Fünfzigerjahren

Zusammen mit seinen Söhnen baut Karl Hegmann in der Nachkriegszeit langsam das Geschäft wieder auf. Sohn Bernhard hatte während seines Wehrdienstes den Führerschein gemacht und wird als Fahrer eingesetzt, bis er seinem ursprünglichen Wunsch entsprechend eine Elektrikerlehre absolviert und anschließend als Schaltwärter bei RWE arbeitet. Obwohl noch nicht volljährig, werden auch die Söhne Heinz und Paul für Dachziegeltransporte hinter das Steuer gesetzt. Neue Fahrzeuge werden angeschafft, u.a. ein massiger Faun-Haubenwagen. Hauptsächlich sind Baumaterialien Transportgüter der Anfangszeit. Später kommen Salzlieferungen von Solvay hinzu. Geladen werden auch Teppiche aus Emmerich. Die Transportwege werden länger und erstrecken sich über das ganze Bundesgebiet. Häufig wird Ulmer Weiß aus Süddeutschland geholt. Karl Hegmanns Tochter hatte bei auswärtigen Betrieben gelernt und kommt 1959 „nach Hause“, wie sie in einem Interview sagt. „Nach Hause“ heißt in einem Familienbetrieb: in die väterliche Speditionsfirma. Die damals 19-Jährige beginnt dort als kaufmännische Angestellte und steigt während ihrer mehr als 50-jährigen Betriebstätigkeit zur geschäftsführenden Gesellschafterin auf. Auch ihr Ehemann Udo Tietz, der ursprünglich eine Ausbildung zum Betriebselektriker machte, wird sofort nach der Hochzeit in den Familienbetrieb integriert und beginnt zunächst als Fahrer und wird später zur treibenden Kraft des Umbaus zum Schwertransportunternehmen.

Umwandlung nach dem Tod von Karl Hegmann

Als Karl Hegmann 1963 verstirbt, wird die Firma umgewandelt in eine KG mit drei Kindern als Kommanditisten und dem Geschäftsführer Paul Hegmann. Gesellschafterin Ingrid Tietz und ihr Ehemann Udo leiten den Speditionsbetrieb durch schwierige wirtschaftliche Zeiten und legen die Grundlage für die heutige Bedeutung der Firma. Ingrid Tietz ist es auch, die den Anstoß liefert für die Spezialisierung auf Schwertransporte aller Art und Größe. Sie hatte Kontakte zu der Baumaschinenabteilung der Deutsche Fiat AG in Heilbronn, die damals noch unter dem Markennamen FIAT ein breites Spektrum an Baggern, Ladern und Dozern für die deutsche Kundschaft anbot. Die Abholung der unhandlichen Transportgüter aus dem württembergischen Heilbronn und die Verteilung im nordwestdeutschen Raum übernimmt die Firma Hegmann. Durch die neue Geschäftsverbindung ändert sich auch die Zusammensetzung des Fuhrparks. Für die schweren Transporte kommen nun Zugmaschinen aus dem Hause der Konzernmutter FIAT zum Einsatz, später auch aus dem Firmenverbund IVECO.

Umzug an neuen Standort

Hinderlich für eine Spedition mit einer immer größer werdenden Flotte an breiten und langen Transportmitteln ist die traditionelle Lage im dicht bebauten und engen Ortskern von Sonsbeck. So sucht die am 31.12.1977 unter neuem Namen gegründete Hegmann Transit GmbH mit Geschäftsführerin Ingrid Tietz nach einem neuen Standort. Als 1981 die letzten in Familienbetrieben nicht immer unvermeidlichen Gesellschafterfragen geklärt sind, kann in einem neu erschlossenen Gewerbegebiet am Ortsrand von Sonsbeck ein großzügiges Gelände erworben werden. Dort an der Raiffeisenstraße entsteht zwischen 1986 und 1988 ein Betriebsgebäude mit Bürotrakt und Fahrzeughalle nach modernsten Prinzipien. Endlich können ausgelagerte Betriebsteile an einem Standort konzentriert werden. Als 2001 die große Lagerhalle mit Lkw-Krananlage eröffnet wird, besitzt Hegmann Transit das größte Gebäude von ganz Sonsbeck. 2012 übergibt Ingrid Tietz die Firmenleitung der Hegmann Transit GmbH & Co. KG an ihre Söhne Joachim und Georg.

Die Gegenwart – großer Einsatz für gigantische Projekte

Weltweite Schwertransporte stellen heute komplexe Herausforderungen dar. Hegmann Transit erfüllt hierzu alle notwendigen Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten. Gerade im Bereich von Großraum- und Schwertransporten gilt es, zahlreiche Aspekte zu beachten. Dazu gehören neben dem richtigen Fuhrpark mit passenden Fahrzeugkombinationen und gut geschulten Fahrern nicht zuletzt langjährige Erfahrung und gute Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung. Häufig müssen maßgeschneiderte Lösungen gefunden werden, bei denen Schwertransporte über die Straße, die Schiene, die Verladung auf das Schiff oder die Nutzung von Luftfracht verknüpft werden müssen. Hegmann Transit übernimmt für seine Kunden die gesamte Projektlogistik – weltweit und flexibel – von der Abholung der Ware bis zum Weitertransport an den Bestimmungsort.

Schwerlast-Terminal im Rhein-Lippe-Hafen in Wesel

Die letzte Neuerung bei Hegmann Transit ging Ende 2017 in Betrieb: das Schwerlast-Terminal im Rhein-Lippe-Hafen in Wesel. Die Reise der Fracht beginnt hier in der beheizten Halle. Allein für Schwergüter stehen 15.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung – hinzu kommen noch einmal 35.000 Quadratmeter Freilager. Von hier aus können Stückgewichte bis zu 160 Tonnen per Schwergut-Umschlag direkt auf das Schiff verladen werden. Die Krananlage, die den Umschlag schwerster Güter dank der Kranbahn direkt in das entsprechende Binnen- oder Küstenmotorschiff ermöglicht, erreicht in dem Schwergut-Hafen eine Hakenhöhe von 15 Metern. Die Seefracht kann so problemlos transportiert werden. Die Schwerlast-Halle hat außerdem eine zwei Megawatt-Solaranlage auf dem Dach. So wird nicht nur ein einfaches Handling des Imports und Exports weltweit über die Verschiffung von Frachten sichergestellt, sondern gleichzeitig auf eine nachhaltige Verschiffung und Lagerung geachtet.

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Ausgabe 05/2020

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