Logistik-Hotspot vor der Haustür

Die niederländische Provinz Limburg bietet Logistikunternehmen gute Perspektiven zur Internationalisierung ihrer Geschäfte – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Niederrhein. Unter anderem locken Zoll- und Steuervorteile.
Der Warenverkehr rollt (Foto: ©industrieblick _stock.adobe.com)
Der Warenverkehr rollt (Foto: ©industrieblick _stock.adobe.com)
Die Basis für eine erfolgreiche Logistikbranche bildet die zentrale Lage Limburgs: Die Region liegt genau im Korridor zwischen den Häfen Rotterdam, Antwerpen und Duisburg. Für Luftfracht sind acht Flughäfen in einem Umkreis von anderthalb Stunden zu erreichen. Zudem kreuzen mehrere Autobahnen, Flüsse und Kanäle die Provinz.

Besondere DNA


Dieser Lage an der Schnittstelle zwischen Holland, Belgien, Deutschland und Frankreich verdankt die Region Limburg ihre besondere DNA. Die Einwohner sind mehrsprachig, kommunikativ und kennen die geschäftlichen Gepflogenheiten ihrer Nachbarn – und nutzen die Grenzlage als Chance. „Wir verbinden das Beste aus drei Welten: holländischen Handelsgeist und Pragmatismus, deutsche Qualitätsansprüche und Zuverlässigkeit sowie französisch-belgische Lebensart“, heißt es bei der Limburger Wirtschaftsförderungsgesellschaft LIOF. „Auf diesen Grundlagen hat sich Limburg zu einer logistischen Drehscheibe der Extraklasse entwickelt. Logistik ist für uns eine wichtige Zukunftsbranche. Deshalb fördern wir Ansiedlungen und Innovationen in diesem Sektor“, erklärt Twan Beurskens, Regionalminister für Wirtschaft und Wissen der Provinz Limburg. In vergleichenden Standort-Studien bezüglich europäischer Verteilzentren ist Limburg führend für Industriezweige wie Electronics & FMCG, Mode & Lifestyle, Nahrungsmittel, Frischeprodukte, Blumen und Pflanzen, Medizintechnik, Automotive, Stahl und anderes produzierendes Gewerbe ? gemessen an den Kosten für die gesamte Lieferkette und Qualitätsfaktoren. In der Branche arbeiten 60.000 Beschäftigte, die einen Umsatz von fünf Milliarden Euro erwirtschaften.

E-Commerce und Fachkräfte


Im Bereich E-Commerce hat sich rund um Venlo ein Hotspot entwickelt – vor allem für Konzerne aus den Bereichen Mode und Elektronikbedarf. Jüngst haben Unternehmen wie VidaXL und Michael Kors E-Commerce-Distributionszentren in Venlo eröffnet. Schon seit mehr als 20 Jahren betreibt Amway in Venlo ein Distributionszentrum (DC) und ein Fulfillment-Center. „Wir sind 1996 nach Venlo umgezogen. Wir sind damit einer Empfehlung von Seacon Logistics gefolgt, einem unserer Logistikpartner“, blickt Chris Werner, Director Operations Europe, Russia & SA, zurück. Von Venlo aus beliefert Amway DCs und Fulfillment-Center in Europa, Russland und der Türkei. „Ideal ist an dem Standort, dass die Waren von Rotterdam aus per Schiene, Straße und Wasserweg bis direkt vor unsere Tür geliefert werden können. Außerdem bietet der Standort in den Niederlanden Steuer- und Zollvorteile. So brauchen wir nur einmal monatlich rückwirkend eine Zollerklärung abzugeben.“
Seit Mitte 2016 arbeiten zudem neun Partner aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam daran, das Profil Limburgs im Bereich E-Fulfillment weiter zu schärfen. Der Zusammenschluss nennt sich „e-FulFilment Hub“ und bündelt Expertise und Ideen rund um alle logistischen Abläufe, die aus Online-Bestellungen resultieren – auch über Landesgrenzen hinweg. Eine Limburger Besonderheit bildet die enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Campus: Die Fontys Hogeschool (Fachhochschule für Technik und Logistik) beispielsweise bietet Studiengänge an, die sich an den Bedürfnissen der regionalen Logistikwirtschaft orientieren. Von den 400 Logistik-Studenten stammen übrigens 30 Prozent aus Deutschland.
Ausgabe 05/2017