Buchhaltung: Gestalten Sie nach Zahlen

Die Daten Ihrer Buchhaltung sind ein wahrer Schatz, den Sie nicht nur für die Steuererklärung nutzen sollten, sondern regelmäßig, um die Prozesse und die Rendite Ihres Unternehmens zu optimieren.

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer schaffen die Voraussetzungen für Wachstum (© NATHAPHAT NAMPIX − stock.adobe.com)
Steuerberater und Wirtschaftsprüfer schaffen die Voraussetzungen für Wachstum (© NATHAPHAT NAMPIX − stock.adobe.com)

„Wir sind keine Zahlenknechte, die bloß Formulare ausfüllen und dies mit den folgenden Bescheiden abhaken. Wir müssen vielmehr Sachverhalte auf ihre steuerliche Relevanz prüfen. Dazu geben wir unseren Mandanten Gestaltungsempfehlungen, die ihre wirtschaftlichen Ziele berücksichtigen“, sagt Gero Hagemeister, Präsident des Steuerberater-Verbandes Köln. Als Beispiele führt der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Fragen einer Unternehmensnachfolge, betriebliche Umstrukturierungen sowie Erbschaft- und Schenkungsteuerthemen an. Zu glauben, dass durch die Digitalisierung viele Bereiche wegfielen, sei ein Trugschluss. Sicher würden Routinetätigkeiten weiter automatisiert, dafür steige aber der Bedarf an Beratung und Gestaltung. Gleichwohl spielt die technologische Entwicklung eine wichtige Rolle: „Der Berufsstand der Steuerberater war mit der bereits 1966 gegründeten Datev eG einer der visionären Vorreiter bei der Einführung digitaler Leistungen“, betont Hagemeister. „Finanzbuchhaltung und später Steuererklärungen waren – wie sich sicherlich viele erinnern –, neben Tabellenkalkulation und Textverarbeitung auch Vorreiter digitaler Anwendungen.“ Aktuell kommuniziere man über digitale Plattformen mit den Mandanten und tausche auf diesem sicheren Weg auch Daten aus.

Wachsen mit Process Mining

„Jahresabschlussprüfungen werden zunehmend digitaler. Statt physischer Akten und Papierbelegen wird mit Kollaborationstools für den Datenaustausch gearbeitet und teilweise remote geprüft“, so Andreas Pöhlmann, Fachleiter Digitales beim Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW). Die Prüfung befasst sich seiner Aussage nach immer stärker mit der Kontrolle der Datenqualität und der IT-Systeme. Tools zur Analyse von Daten, wie das sogenannte Process Mining, ermöglichten die Auswertung sehr großer Datensätze. „Diese umfangreichen Datenanalysen ermöglichen mehr Einblicke in die Transaktionen des Unternehmens und können auch Hinweise auf Verbesserungspotenzial geben. Etwa wenn durch das Process Mining vom Standardprozess abweichende manuelle und zeitintensive Tätigkeiten im Einkauf festgestellt werden.“ Vorausgesetzt natürlich, das Unternehmen selbst ist entsprechend digital aufgestellt. Wirtschaftsprüfer sind, so Pöhlmann, „System- und Prozessspezialisten“ und können daher Unternehmen bei ihrem Weg der digitalen Transformation mit einer Kombination aus fachlichem Know-how und Toolverständnis begleiten und beraten. Gero Hagemeister hebt die vielseitige Rolle des Ratgebers hervor: „Neben der Kerntätigkeit der Erfüllung der steuerlichen Erklärungspflichten kommen dazu auch die Berücksichtigung der privaten Lebensumstände der Unternehmer bzw. Gesellschafter. Wir helfen bei der Durchsetzung der berechtigten steuerlichen Interessen gegenüber der Finanzverwaltung. Falls es erforderlich ist, führen wir für unsere Mandanten auch finanzgerichtliche Verfahren.“ Daneben können die Mandanten auch auf einen breiten betriebswirtschaftlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen, „der insbesondere bei Unternehmensnachfolgen, Umstrukturierungen oder Unternehmenstransaktionen gefragt ist“. Für Andreas Pöhlmann vom IDW stärken Wirtschaftsprüfer das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirtschaft, helfen den Unternehmen bei der Schaffung der Voraussetzungen für Wachstum und leisten einen bedeutenden Beitrag zum ordnungsgemäßen Funktionieren der Kapitalmärkte. Denn: „Auf Basis geprüfter Unternehmenszahlen können Investoren und Anleger fundierte Entscheidungen für Transaktionen treffen; bei Banken fußen die Kreditentscheidungen auf diesen Zahlen.“ Auch mit betriebswirtschaftlicher Beratung bei Entscheidungen über die notwendige Neu-Ausrichtung von Unternehmen können Wirtschaftsprüfer weiterhelfen. „Wollen Unternehmen etwa anorganisch wachsen und andere Firmen übernehmen, erstellen Wirtschaftsprüfer häufig sogenannte Due-Diligence-Untersuchungen in den verschiedensten Bereichen.“ So werden die finanziellen Strukturen eines möglichen Zielobjektes analysiert und dienen damit dem potenziellen Erwerber als Entscheidungshilfe. „An anderer Stelle beraten Wirtschaftsprüfer Startups, mit welcher Rechtsform der Wachstumsprozess am besten gelingt oder wie Geschäftsprozesse mithilfe von Digitalisierung effizienter gestaltet werden können.“

Pläne des Gesetzgebers

Bei Wachstum und Innovation müssen Unternehmen sicherstellen, nicht gegen geltende Gesetze zu verstoßen, und sich intern entsprechend organisieren: „Wirtschaftsprüfer können für die interne Kontrolle und das Risikomanagement die Unternehmen unterstützen und damit deren Wachstum absichern, indem sie passende Compliance-Management-Systeme einrichten bzw. diese überprüfen, auch im Mittelstand“, betont Pöhlmann. Dies gelte umso mehr, als sich Unternehmen darauf einstellen müssten, gesetzlich zur Einrichtung von Meldesystemen zum Hinweisgeberschutz verpflichtet zu sein – siehe EU-Whistleblower-Richtlinie. „Hier sind gesetzgeberische Maßnahmen zu erwarten, ebenso wie mittelfristig das Thema Unternehmensstrafrecht relevant werden könnte, das auf der Agenda der Bundesregierung steht.“ Aktuelle Herausforderungen sind laut dem Präsidenten des Steuerberater-Verbandes Köln unter anderem die Folgen der Corona-Pandemie mit ihren zahlreichen Überbrückungshilfen und der Abwicklung von Kurzarbeitergeld. „In unserer Region kommt zusätzlich die Unterstützung unserer Mandanten bei der Beantragung von Fluthilfen dazu.“ Weiterhin zeichne sich bereits ab, dass die steuerliche Förderung energetischer Sanierung von Gebäuden sowie Gestaltungs- und neue Optionsmöglichkeiten im Unternehmenssteuerrecht eine weitere Herausforderung bildeten. „Die von Politik und Verwaltung gesetzten engen Fristen sind dabei eine extreme Belastung.“
Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 02/2022