Automatisierung in aller Welt

Das Viersener Unternehmen Elektro Kettel ist nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in Nord- und Südamerika oder im Nahen Osten tätig.
Das Team von Elektro Kettel in Viersen kommt ganz schön herum in der Welt. „Wir haben schon eine Tennisball-Fabrik in Irland abgebaut und in Thailand wieder aufgebaut“, nennt der technische Geschäftsführer Octavio Pratas ein Beispiel. Für Inbetriebnahmen von Anlagen – ob automatisierte Flaschenabfüllung oder Autoteile-Produktion – fliegen die Spezialisten vom Niederrhein unter anderem in die USA, nach Brasilien, Pakistan und Ägypten. Auch Dubai ist ein markierter Punkt auf der Kettel-Landkarte. Projekte in Europa und ganz Deutschland sind ohnehin Arbeitsalltag. „Erst kürzlich war einer unserer Monteure fast ein ganzes Jahr lang im Großraum Berlin beschäftigt. Es ging unter anderem um ein neues Kassensystem in den Filialen einer großen Handelskette“, erzählt Stephan Unrein, der sich als Geschäftsführer vor allem um den kaufmännischen Bereich bei Elektro Kettel kümmert. Beide Unternehmer halten jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen, das aufgrund seines breiten Portfolios sicherlich zu den ungewöhnlichsten seiner Branche zählen dürfte.

Drei Felder, ein Erfolg

Drei Geschäftsfelder bilden die Säulen des Erfolgs: Industrie und Automatisierung, Gebäude- und Energietechnik, sowie Haus- und Gewerbegeräte-Service. Somit reicht die Bandbreite von Projekten für und mit weltweit tätigen Stahlkonzernen bis hin zur fachgerechten Instandsetzung einer Spülmaschine in der Kantine eines Industriebetriebes. Im Gebäude- und Energiebereich gehören gewerblich genutzte Hallen und große Wohnkomplexe zu den Haupteinsatzgebieten. Auch Privatleute können sich an die Viersener wenden, wenngleich das eher selten vorkommt. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem B2B-Geschäft. Dabei ist nicht etwa jeder Techniker für alle Bereiche zuständig. „Wir vereinen drei eigenständige Abteilungen mit jeweils speziell geschulten Mitarbeitern unter einem Dach“, betont Octavio Pratas. Knapp 60 Leute beschäftigt Elektro Kettel derzeit. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat auch durch Corona keine Umsatz-Delle bekommen. Der Nachwuchs wird zum großen Teil selbst ausgebildet. Neben den Bürokaufleuten von morgen lernen angehende Energie- und Gebäudetechniker sowie Elektriker mit der Fachrichtung Industrie und Automatisierungstechnik ihr Handwerk. Insbesondere im Bereich Steuerungsbau hat sich das Unternehmen kürzlich durch einen Umzug innerhalb Viersens deutlich vergrößert. Unter anderem die Schaltschrank-Fertigung hat nun mehr Platz als am alten Standort. Gefertigt wird nach CE-Norm für den europäischen Markt und nach UL-Norm für Nordamerika. Mit den Steuerungen aller gängigen Anbieter, zum Beispiel Siemens, Allen Bradley/Rockwell und Beckhoff, sind die Profis bestens vertraut. Ob Sensorik oder die Visualisierung von Produktionsabläufen, ob Antriebs- oder Sicherheitstechnik – wenn Strom im Spiel ist, weiß man bei Kettel, was zu tun ist. Doch die Firma baut nicht nur nach Kundenvorgaben ein. Dank eines eigenen Planungsbüros und eigener Programmierer sitzen die Niederrheiner meist schon bei den ersten Planungen des Kunden mit am Tisch. „Unsere Planer und Ingenieure setzen die Visionen unserer Kunden in funktionierende Prozesse um“, so Stephan Unrein. Natürlich würden auf Wunsch auch nützliche Apps installiert, die für mehr Komfort bei der Steuerung und Überwachung sorgten. „Wir begleiten die Projekte bis zur Inbetriebnahme und Übergabe“, so Unrein. Die Branche spielt bei der Auswahl der Projekte keine Rolle: „Wir arbeiten vergleichsweise oft und viel für Automobilzulieferer und die Lebensmittelindustrie, setzen unser Know-how aber auch in anderen Bereichen wie beispielsweise Spezialmaschinenbau und Lagerlogistik ein“, sagt Octavio Pratas. Das Gros der Auftraggeber bestehe aus Stammkunden.

Stark in Sachen „Retrofit“

Ein großes Thema ist das sogenannte „Retrofit“. Damit werden Maschinenparks, die schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben, mittels tiefgreifender Überholung und moderner Ergänzung auf ein aktuelles Niveau gehoben. Komplette und damit extrem kostspielige Neuanschaffungen können so vermieden oder zumindest deutlich nach hinten verschoben werden. Octavio Pratas ist ganz offensichtlich sehr gut darin, solche Trends zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren. Der 44-Jährige ist seit rund drei Jahrzehnten in der Branche und hat schon so manchen Wandel miterlebt. Nach seiner Ausbildung zum Energieelektroniker, Fachrichtung Anlagentechnik bekam er als Leiharbeiter Einblicke in die unterschiedlichsten Unternehmen. „Das war eine gute Schule und ein tolles Sprungbrett“, sagt er rückblickend. „Ich wusste danach genau, in welcher Art Unternehmen ich dauerhaft arbeiten will – und wo ich niemals einen Vertrag unterschreiben würde.“ Anfang 1997 wurde er festes Mitglied des kleinen Teams um Wilhelm Kettel, dem Gründer der Firma. „Hier war mir sofort klar, dass ich bleiben würde“, sagt er. Drei Jahre später – im Alter von nur 24 Jahren – übernahm er mit einem Kompagnon die Anteile. Bis heute heißt das Unternehmen „Elektro Kettel Nachf. Pratas & Kusche GmbH & Co. KG – obwohl der damalige Partner schon vor einiger Zeit aus Altersgründen ausgestiegen ist. Für ihn ist seit 2017 Stephan Unrein an Bord, der sowohl eine Großhandels-Ausbildung im Elektrobereich als auch ein BWL-Studium abgeschlossen hat. Auch er ist 44 Jahre alt. Beruflich kennen sich die Geschäftspartner schon seit rund 20 Jahren. Längst ist eine Freundschaft entstanden. Die gemeinsame Motivation des Duos ist es, für jeden Kunden eine ebenso individuelle wie innovative Lösung zu finden. Und noch etwas verbindet den Jüchener Unrein und den in Schwalmtal-Waldniel aufgewachsenen Pratas: die Liebe zum Niederrhein. Niemals wären sie auf die Idee gekommen, ihr Unternehmen in eine andere Region zu verlagern. „Wir kommen auch so genug in der Welt herum“, sagt der technische Geschäftsführer mit einem Lächeln. Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 04/2020

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