Stütze der Wirtschaft

Wirtschaftsprüfer haben eine wirtschaftliche Prüfungsfunktion und die Befugnis, Jahresabschlüsse von Unternehmen und Genossenschaften zu ermitteln und zu prüfen. Der Steuerberater berät in steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten.
Herausforderung: immer wieder neue Regeln  (© Bundessteuerberaterkammer)
Herausforderung: immer wieder neue Regeln (© Bundessteuerberaterkammer)
„Steuerberater garantieren eine hohe Qualität, auf die sich der Verbraucher verlassen kann. Wir beraten die Mandanten in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten und steuern sie durch die Krise. Nur mithilfe der Steuerberater ist es kleinen und mittelständischen Betrieben möglich, staatliche Unterstützung zu beantragen, um ihr Überleben zu sichern. Für die deutsche Wirtschaft ist der Berufsstand in dieser Zeit eine wichtige Stütze“, ist Harald Elster überzeugt. Der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes (DStV) ruft die Politik dazu auf, die Belange des Berufsstands auf nationaler wie europäischer Ebene stärker in den Fokus zu nehmen. Schließlich werde in der aktuellen Ausnahmesituation offenkundig, welche hohe Relevanz die kleinen und mittleren Kanzleien für die Stabilität der Wirtschaft haben – etwa durch die Unterstützung bei den Überbrückungshilfen. „Der hohe Stellenwert der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe muss durch unterstützende Maßnahmen anerkannt werden.“ So fordert der Verband „praxisgerechtere, sicherere und wirtschaftsstärkende Rahmenbedingungen“. Die scheinen zumindest branchenintern gegeben, denn die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) zieht eine positive Bilanz des Geschehens in den vergangenen Monaten. Erstmals „knackte“ die Berufsbranche die 100.000er-Grenze. „Wir freuen uns über den großen Zuspruch. Mit seinen vielfältigen Tätigkeiten kann sich der steuerberatende Beruf am hart umkämpften Arbeitsmarkt behaupten. Das zeigen auch die 1.249 neu zugelassenen Berufsträger“, kommentiert BStBK-Präsident Professor Dr. Hartmut Schwab die Jahresstatistik. 2020 stieg die Zahl der Mitglieder in den Steuerberaterkammern bundesweit auf 100.204, ein Zuwachs von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zum Stichtag lag die Anzahl der Steuerberaterpraxen in Deutschland bei 53.334. Hierbei handelt es sich um 35.941 Einzelpraxen, 3.501 Praxen von Gesellschaften bürgerlichen Rechts und 3.106 Praxen von Partnerschaftsgesellschaften, 10.786 Praxen arbeiten als Steuerberatungsgesellschaften. Der Rückgang der Einzelpraxen sei auf Praxiszusammenschlüsse, Praxisaufgaben und die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen, erläutert die Bundesteuerberaterkammer. Im Vergleich mit den Vorjahren erhöhte sich dagegen die Zahl der Steuerberatungsgesellschaften erneut. Der Zuwachs beträgt gut 3 Prozent. Dagegen sank im Jahr 2020 die Zahl der Gesellschaften bürgerlichen Rechts. Die Differenz entspricht 6,5 Prozent. Bei den Partnerschaftsgesellschaften gab es hingegen einen erneuten Zuwachs um 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Berufsstand somit um 1,3 Prozent gewachsen. Die Quote der selbstständigen Steuerberater ist weiterhin leicht rückläufig und liegt bei 68 Prozent. Im Gegensatz dazu steigt die Quote der angestellten Berufsträger mit 32 Prozent leicht an. Somit sind 60.925 Steuerberater selbstständig und 28.493 Berufsträger als Angestellte tätig. Auch im Jahr 2020 nimmt der Anteil der Steuerberaterinnen erneut zu, die im Berufsstand mittlerweile mit einer Quote von 37 Prozent vertreten sind. Das Durchschnittsalter der weiblichen Berufsangehörigen beträgt 49,7 und das der männlichen 55 Jahre. Somit liegt der Altersdurchschnitt aller Berufsträger bei 53,1 Jahren. Rund ein Fünftel des Berufsstandes ist auch als Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt oder vereidigte Buchprüfer zugelassen. Die größte Gruppe stellen dabei die sogenannten „Doppelbänder“ Steuerberater/Wirtschaftsprüfer mit 9.165 Angehörigen. Weitere 451 Steuerberater sind sowohl Wirtschaftsprüfer als auch Rechtsanwälte. Somit gibt es gegenwärtig 1.450 dieser internationalen Fachberater und 36 Fachberater für Zölle und Verbrauchsteuern. „Wir müssen den Wandel durch die Digitalisierung gestalten und das Berufsbild weiter modernisieren. Außerdem gilt es, die regulatorischen Anforderungen im Auge zu behalten“, nennt Gerhard Ziegler, Präsident der Wirtschaftsprüferkammer, Aufgabenfelder seines Verbandes. Der vereint 21.000 Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer sowie deren Berufsgesellschaften (Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Buchprüfungsgesellschaften).14.650 davon fungieren als Wirtschaftsprüfer, 2.252 als vereidigte Buchprüfer. 2.980 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften werden in Deutschland gezählt. Etwa 13.000 Praxen gibt es bundesweit, sie kümmern sich um 40.000 gesetzliche Abschlussprüfungen.

INFO

Qualifizierte Kräfte für „einfache Aufgaben“?

Steuerberater hadern mit EU-Kommission und fordern „faire Bedingungen“. Die Einhaltung fairer Rahmenbedingungen fordert der Steuerberaterverband angesichts von Empfehlungen der Brüsseler EU-Kommission zur Berufsreglementierung. Mit den neuen europäischen Regelungen sollen berufsrechtliche Vorschriften in Bezug auf die Behinderung von neuen, insbesondere digitalen Geschäftsmodellen überprüft werden. Deutschland solle überdenken, „ob einfache Aufgaben wie die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung oder die Erstellung von Steuererklärungen hoch qualifizierten Fachkräften vorbehalten sein müssten“, heißt es aus Brüssel. Außerdem solle Deutschland für Transparenz und Rechtssicherheit bei der Erbringung von Steuerberatungsdienstleistungen durch in anderen Mitgliedstaaten niedergelassene Unternehmen sorgen. „Diese Empfehlungen der EU-Kommission hatten und haben ganz erhebliche Folgen für die berufsrechtlichen Belange der Steuerberater“, sind die Berufsverbände überzeugt. Der DStV erwartet, dass neue Geschäftsmodelle im Bereich der freiberuflichen Dienstleitungserbringung aus Gründen der Fairness den gleichen berufsrechtlichen Regeln unterliegen wie die der anderen freiberuflichen Dienstleistungserbringer.

INFO

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

Der Steuerberater berät in steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten. Dabei hat er in erster Linie die Aufgabe, Hilfestellung bei steuerrechtlichen Fragen zu leisten. Beispiel dafür ist die Unterstützung bei der Steuererklärung. Auch die Beratung bei Fragen der Steuerrechtsdurchsetzung oder der Steuergestaltung zählen zum Aufgabenfeld. Während sich ein Steuerberater in erster Linie um Angelegenheiten des Steuerrechts kümmert und eine beratende Tätigkeit in Sachen Steuern ausführt, übernimmt der Wirtschaftsprüfer eine wirtschaftliche Prüfungsfunktion und hat die Befugnis, Jahresabschlüsse von Unternehmen und Genossenschaften zu ermitteln und zu prüfen. Der Wirtschaftsprüfer hat aber auch die Befugnis, Gutachten zu fertigen oder eine Sachverständigentätigkeit auszuüben. Gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen dürfen in Deutschland ausschließlich Wirtschaftsprüfer durchführen. Am bekanntesten ist die Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers/vereidigten Buchprüfers in seiner Funktion als Jahresabschlussprüfer von Kapitalgesellschaften, die der gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtprüfung unterliegen. Außerdem sind Unternehmen bzw. Konzerne einer gewissen Größe und Unternehmen bestimmter Wirtschaftszweige wie Banken, Versicherungen und Betriebe der öffentlichen Hand verpflichtet, jährlich ihre Abschlüsse prüfen zu lassen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die nicht der gesetzlichen Pflicht zur Prüfung ihrer Jahresabschlüsse unterliegen, jedoch trotzdem ihre Abschlüsse prüfen lassen. Reinhold Häken | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 01/2021