Stadtwerke Düsseldorf: Positiv aufgeladen

E-Mobilitätslösungen für Unternehmen und Privatleute: Kürzlich konnten die Stadtwerke Düsseldorf den 1.000. Ladepunkt unter Vertrag nehmen.
Die E-Flotte wird weiter wachsen (Klaus Schüßler, Leiter E-Mobilität) (© Jochen Rolfes)
Die E-Flotte wird weiter wachsen (Klaus Schüßler, Leiter E-Mobilität) (© Jochen Rolfes)
Bei einem Weltkonzern wie Amazon ist alles ein paar Nummern größer. Deswegen hat sich der Online-Händler an seinem Standort im Düsseldorfer Hafen nicht mit vier bis fünf Ladesäulen zufriedengegeben, sondern gleich einen ganzen „Ladepark“ errichten lassen. Die Stadtwerke Düsseldorf haben das erste gewerblich genutzte Großprojekt dieser Art in der NRW-Landeshauptstadt planerisch und technisch umgesetzt. Auf dem Amazon-Betriebsgelände sind innerhalb eines halben Jahres die Voraussetzungen geschaffen worden, dass die wachsende elektrifizierte Lieferflotte rund um die Uhr mit Ökostrom betankt werden kann und somit geräuscharm und kohlenstoffneutral unterwegs ist. Ein Hochleistungstrafo, der bereits für mögliche Erweiterungen des Ladeparks ausgelegt wurde, versorgt 72 intelligente Ladepunkte. Hier tanken die Transporter über Nacht auf, um am Morgen, vollgepackt mit Paketen, in die Region auszuschwärmen. Karsten Frost, Regionaldirektor Amazon Logistics, sagte zur Inbetriebnahme: „Unser Ziel ist der Aufbau der nachhaltigsten Transportflotte der Welt.“ Mit dem Projekt „Shipment Zero“ hat sich das Unternehmen vorgenommen, bis 2040 alle Lieferungen CO2-neutral zuzustellen. Bereits bis 2030 soll das für 50 Prozent der Lieferungen gelten. 

Vom Bäcker bis zur Baugesellschaft

Klaus Schüßler, Leiter Energielösungen und -dienstleistungen bei den Stadtwerken, hebt den Beispielcharakter des Ladeparks hervor: „Der Amazon-Standort im Hafen ist ein Signal an alle Gewerbetreibende: E-Mobilität funktioniert.“ Das gelte auch für kleinere und mittlere Unternehmen. Die Bandbreite reicht vom einzelnen Bäcker bis zum Maschinenbauer. Tiefgaragenbetreiber, Hotels und Wohnungsbaugesellschaften sind ebenfalls dabei, entsprechende Infrastrukturen zu schaffen. Neben der Ladelösung im Düsseldorfer Hafen wurden in den vergangenen Monaten viele weitere Ladesäulen beziehungsweise Wallboxen für mittelständische Kunden, Düsseldorfer Institutionen und das öffentliche Laden in Betrieb genommen. Im Frühjahr wurde so ein wichtiger Meilenstein erreicht: Der 1.000. Ladepunkt konnte unter Vertrag genommen werden. Konkret ging es um 18 Ladepunkte der neuesten Generation mit einer Ladeleistung von bis zu 22 kW in der öffentlich zugänglichen Tiefgarage des Hotels Hyatt Regency und des Bürokomplexes „Hafenspitze“. Die erste Ladesäule haben die Stadtwerke schon vor mehr als zehn Jahren errichtet. „Damals war E-Mobilität noch ein absolutes Nischen- thema“, sagt Klaus Schüßler.

Versorger setzt komplett auf Ökostrom

Das Versorgungsunternehmen orientiert sich kontinuierlich an der stetig wachsenden Nachfrage nach Ladestrom und engagiert sich im Ausbau der Infrastruktur in allen drei Anwendungsfällen: öffentliches Laden, Laden mit (halböffentlicher) Firmenlösung und privates Laden. „Dabei stehen wir für die gesamte Wertschöpfungskette“, betont Klaus Schüßler. „Wir kennen uns natürlich bestens mit Strom aus, verfügen aber zudem über das Know-how, die nötige Infrastruktur in den Boden zu bringen und einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. Nur das Auto muss sich der Kunde selbst besorgen – alles andere bringen wir mit.“ Bezüglich E-Mobilität setzen die Stadtwerke komplett auf Ökostrom. „Ansonsten macht es keinen Sinn“, sagt Klaus Schüßler. Für die gewerblichen Stadtwerke- Kunden ist das Bekenntnis ein starkes Argument: Sie haben auf diese Weise nicht nur den ökonomischen Mehrwert, sondern profitieren auch von der positiven Außenwirkung. „Wer Ökostrom nutzt, macht deutlich, dass er den Klimawandel ernst nimmt und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung ergreift.“ Seit Mitte des vergangenen Jahres spüren die Stadtwerke einen starken Schub bei diesem Thema. „Wir befinden uns an der Schnittstelle zwischen Pionier- und Wachstumsphase – jetzt geht es richtig los“, ist der Leiter E-Mobilität  überzeugt. Die Stadtwerke wachsen in diesem Geschäftsbereich „klar oberhalb unserer Planungen“ – was sicherlich nicht zuletzt an den staatlichen Fördermöglichkeiten liegt.

Die optimale Lösung erarbeiten

Immer mehr Unternehmen – und zwar nicht nur „Flottenkunden“ – melden sich zu diesem „positiv aufgeladenen Thema“. Die Stadtwerke gehen aber auch proaktiv auf ihre Bestandskunden zu. Manche haben schon ganz konkrete Vorstellungen über die Anzahl der Ladepunkte. Meistens besteht allerdings noch Beratungsbedarf. „Dann kommen wir vorbei und schauen uns die Situation vor Ort ganz genau an.“ Ein passgenaues Konzept ist wichtig, denn gelegentlich schießt ein potenzieller Kunde vor Begeisterung über das Ziel hinaus. Klaus Schüßler nennt ein typisches Beispiel: „Wenn ein Unternehmen zehn E-Autos an zehn Ladepunkten rund um die Uhr auftanken möchte, haken wir nach, ob das überhaupt nötig ist – die Verbrenner stehen ja auch nicht alle gleichzeitig an der Zapfsäule.“ Intelligente Systeme sorgten dafür, dass die erforderlichen Kapazitäten möglichst kostengünstig zur Verfügung stehen. „Darauf achten wir im Vorfeld und führen entsprechende Simulationen durch.“ Auch eine Schnellladung sei nicht zwingend vonnöten. Beispiel Amazon: „Die Fahrzeuge stehen die Nacht über an den Säulen und sind dadurch bestens für die geplanten Strecken vorbereitet.“ Bei hoher Kundenfrequenz sieht die Sache etwas anders aus. „Hier kann die eine oder andere Schnellladesäule durchaus Sinn machen.“ Schüßlers Lieblingsbeispiel: „Ich fahre doch doppelt so gern zum Biomarkt meines Vertrauens, wenn der mir auch noch eine Ökostrom-Lademöglichkeit bietet.“ Ein weiterer Punkt ist die Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität. „Insbesondere junge, gut ausgebildete Leute wissen es zu schätzen, wenn sie ihr E-Fahrzeug während der Arbeitszeit laden können.“

Tankkarte für 20.000 Ladepunkte

Natürlich gehen die Stadtwerke mit gutem Beispiel voran: Vor ihrem Hauptgebäude am Höherweg gibt es öffentliche Möglichkeiten. Auf dem Betriebsgelände laden Dienstfahrzeuge auf. Stand Juni nutzt der Versorger 64 reine E-Fahrzeuge, 19 Plug-in-Hybride sowie zwei Wasserstoff-Pkws. Seit 2019 sammelt man praktische Erfahrungen mit Schnellladesäulen. Aktuell forcieren die Stadtwerke den Aufbau eines öffentlich zugänglichen Schnellladenetzes für E-Fahrzeuge: Vier Ladepunkte befinden sich an der Cäcilie-Beuken-Straße in Benrath, zwei weitere an der Schuchardstraße in Garath. Hinzu kommen vier weitere Schnellladepunkte an den Ladesäulen einer Tankstelle am Höherweg, direkt gegenüber der Automeile. An allen drei Standorten – weitere sollen zeitnah folgen – gibt es mindestens je einen Gleichstromanschluss mit 50 Kilowatt Ladeleistung sowie einen mit bis zu 43 Kilowatt für das Wechselstromladen. Alle Ladesäulen verfügen über die drei gängigen Steckertypen (CCS-, CHAdeMO- und Typ-2-Stecker), sie sind fest an den Säulen mit einem angeschlagenen Ladekabel angebracht, so dass das Auspacken und Anstecken von mitgebrachten Kabeln nicht mehr nötig ist. Das Stromtanken erfolgt am einfachsten mittels handelsüblicher RFID-Karten, wie zum Beispiel der Stadtwerke-Tankkarte. Diese eröffnet auch den Zugang zu mehr als 20.000 Ladepunkten in Deutschland, die bei ladenetz.de oder e-clearing.net angeschlossen sind. Mittels dieser Tankkarten lässt sich auch das Kundenladen regeln, wenn Unternehmen – zum Beispiel aus Compliance-Gründen – den Strom nicht kostenlos zur Verfügung stellen möchten.

Reichweite? Kein wirkliches Problem

Klaus Schüßler ist sich sicher, dass die Begeisterung für die E-Mobilität auch im Privatbereich weiter zunehmen wird. „Die staatlichen Förderungen sind sehr attraktiv.“ Und was ist mit den Kritikpunkten zur E-Mobilität? Für den Fachmann spielen sie in der Realität kaum eine Rolle. „Nehmen wir das sogenannte Problem der Reichweite: Erhebungen zeigen, dass 75 Prozent der Autofahrerinnen und Autofahrer weniger als 50 Kilometer am Tag zurücklegen. Im Schnitt steht ein Fahrzeug mehr als 23 Stunden.“ Vor diesem Hintergrund sei die Reichweite doch kein Hindernis. Natürlich müsse man für seine Urlaubsfahrt einige Stopps einkalkulieren. Aber das findet er gar nicht so verkehrt: Während dieser Pausen könnten auch die Menschen mal „aufladen“. Und wenn Kohlestrom aus der Steckdose kommt? „Inzwischen haben wir zu 50 Prozent regenerative Energie im Strommarkt, Tendenz stark steigend. Und wer mit uns fährt, hat ohnehin garantiert 100 Prozent Ökostrom.“
Daniel Boss | redaktion@regiomanger.de

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Ausgabe 03/2021

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