ISM:

Homeoffice kann zu Technostress führen
Prof. Daniel Thiemann
Prof. Daniel Thiemann
Seit über einem Jahr ist für Viele das heimische Arbeitszimmer zum dauerhaften Arbeitsort geworden. Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet das vor allem dann eine große Herausforderung, wenn flexible Arbeitsmodelle zuvor nicht zur Unternehmenskultur gehörten. „Das betrifft nicht nur Technik und Organisation, sondern auch die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden“, sagt Professor Daniel Thiemann, der sich in seiner Forschung an der International School of Management in Dortmund mit neuen Formen der Zusammenarbeit im Kontext der Digitalisierung befasst. „Befunde zeigen negative Auswirkungen auf die Psyche, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Neben sozialer Vereinsamung und der organisatorischen Herausforderung ist eine wesentliche Komponente der sogenannte Technostress“, erklärt Thiemann. Unter dem Begriff „Technostress“ versteht man die Formen von Stress, die direkt oder indirekt durch die Arbeit mit oder über digitale Technologien entstehen. Auslöser gibt es dafür viele. „Das können Funktionsstörungen der IT sein, aber auch Überforderung aufgrund der hohen Komplexität der verwendeten Technologien“, so Thiemann weiter. Auch Informationsüberlastung, ständige Erreichbarkeit über digitale Kanäle sowie der technologische Anpassungsdruck tragen aus Sicht des Experten dazu bei. Das Übermaß an digitaler Kommunikation gegenüber Face-to-Face-Interaktionen falle vielen Beschäftigten in der aktuellen Krise besonders schwer.
Ausgabe 01/2021