Fahrzeug-Werke LUEG: Drei Säulen, EINE STRATEGIE

Wie die LUEG Gruppe ihren Weg in die Zukunft bereitet.
Stefan Jansen, Benjamin Kaiser und Martijn Storm (Sprecher) bilden den Vorstand der Fahrzeug-Werke LUEG AG (v.l.)
Stefan Jansen, Benjamin Kaiser und Martijn Storm (Sprecher) bilden den Vorstand der Fahrzeug-Werke LUEG AG (v.l.)

Diesel unter Druck, Hype um E-Mobile, Lockdowns und Lieferprobleme wegen fehlender Halbleiter: Die Automobilbranche ist in den vergangenen Jahren mit mehr Herausforderungen konfrontiert worden als je zuvor. Experten wie der Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger CAR-Institut erwarten, dass der Strukturwandel der Branche noch tiefgreifender wird. Die LUEG Gruppe, einer der größten Anbieter von Kfz-Mobilität in Deutschland, blickt voller Zuversicht nach vorne. „Wir haben eine Zukunftsstrategie entwickelt, mit der wir uns als Mobilitätsunternehmen breiter aufstellen – damit wir unabhängig werden von konjunkturellen oder politischen Schwankungen und langfristigen Veränderungen im Kfz-Markt“, sagt Vorstandsprecher Martijn Storm, der mit seinen Vorstandskollegen Stefan Jansen und Benjamin Kaiser im REVIER MANAGER erstmals über die „Strategie 2025+“ spricht. Es sind imposante Zahlen, die das Unternehmen charakterisieren: Seit über 150 Jahren ist die Fahrzeug-Werke LUEG AG im Revier unterwegs – zuerst mit echten Pferdestärken und Kutschen, seit den Pionierjahren von Daimler und Benz mit PS und Automobilen. Mehr als ein Dutzend Gesellschaften gehören der LUEG Gruppe heute an, die 30 Standorte im Ruhrgebiet, in Sachsen und in der Schweiz betreibt. Im Corona-Jahr 2020 beschäftigte LUEG fast 1.700 Menschen und verzeichnete einen neuen Rekordumsatz jenseits der Schallmauer von 1 Milliarde Euro. Über das Ergebnis spricht das Bochumer Familienunternehmen aus Tradition nicht. „Wir sind erfolgreich“, sagt Martijn Storm, „aber darauf wollen wir uns nicht ausruhen“. Der Niederländer löste Anfang 2020 als neuer Sprecher des Vorstandes Jürgen Tauscher ab, der die LUEG Gruppe nach den schwierigen Nullerjahren wieder auf Kurs gebracht hatte. Storm war bereits 2017 als CFO zu LUEG gekommen – mit internationaler Erfahrung als Top-Manager in der Spezialchemie und Akustik und einem Faible für Online-Vertrieb, aber noch ohne tiefe Kenntnisse der Automobilwelt. Die Branchenkompetenz bringen seine beiden Kollegen mit: Stefan Jansen und Benjamin Kaiser komplettieren den Vorstand, der Anfang 2020 auf drei Köpfe erweitert wurde. Beide stammen als Führungskräfte aus dem eigenen Haus, verfügen über langjährige Erfahrung in den Bereichen Pkw, Nutzfahrzeuge, Vertrieb und Service und kennen die meisten Kolleginnen und Kollegen persönlich. „Wir sehen uns als ein Kompetenzteam, in dem jeder sein individuelles Know-how einsetzt. Dabei gehen wir die Umsetzung unserer Strategie gemeinsam an“, erklärt Martijn Storm.

Kollegial und krisenfest

Dass die Verantwortung auf drei Köpfe verteilt wurde, ist kein Zufall: Die Neuaufstellung im Vorstand folgt der Zukunftsstrategie, die künftig für eine breitere, krisenfeste Aufstellung des Unternehmens sorgen wird. Entwickelt wurde die „Strategie 2025+“ im kollegialen Austausch – zwischen altem und neuem Vorstand, erweitertem Führungskreis und in enger Abstimmung mit der Gesellschafterfamilie. Die strategische Zielsetzung ist ebenso klar wie ambitioniert. „Wir bleiben unserer Branche treu – aber wir werden uns als modernes Mobilitätsunternehmen mit drei starken Säulen diversifizieren.“ Neben dem klassischen Autohausgeschäft will LUEG künftig verstärkt als Anbieter von innovativen Mobilitäts-Dienstleistungen auftreten und im Segment der Fahrzeug-Aufbauten und -Ausbauten nachhaltig wachsen.

Spektakulärer Zuwachs

Ein erster Coup, der in der Branche viel beachtet wurde, gelang den Bochumern vor wenigen Wochen: Ende September übernahm LUEG den europaweit führenden Hersteller von Ambulanzwagen – die niedersächsische WAS Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH. Das innovative Unternehmen hat weltweit 600 Beschäftigte und produziert am Stammsitz in Emsbüren sowie in Polen Rettungswagen, Krankentransportwagen und Sonderfahrzeuge, die in Europa, Nordafrika und im arabischen Raum verkauft werden. „Mit der WAS ist ein starkes Mitglied in die LUEG-Familie gekommen, das unsere Wertschöpfungskette im Fahrzeugbau hervorragend ergänzt“, sagt Stefan Jansen, Vorstand Nutzfahrzeuge bei LUEG. „Damit haben wir einen wichtigen Meilenstein bei der Umsetzung unserer Zukunftsstrategie erreicht.“ Auch im Bereich innovativer Dienstleistungen, der zweiten Säule der neuen Strategie, sind bereits vorzeigbare Erfolge erzielt worden: Täglich sichtbar wird das an Hunderten von weißen Mercedes-Benz-Transportern, die unter der Marke „LUEG BaseCamp“ im Auftrag des Branchenriesen Amazon und anderer Kurier- und Paketdienste unterwegs sind – und zwar zu einem sehr großen Anteil klimaschonend mit elektrischem Antrieb. Dahinter steht ein umfassendes Last-Mile-Logistikkonzept vom Verteilzentrum bis zum Endkunden. „Das BaseCamp schafft ein 360-Grad-Mobilitätsangebot für die letzte Meile, das von den Fahrzeugen über Flottenmanagement, Ladeinfrastruktur und Parkraum bis zu Wartung und Reparatur reicht. Die Software dafür stammt von unseren eigenen Entwicklerteams“, erklärt Stefan Jansen. Weitere Projekte werden gemeinsam mit der RWTH Aachen durchgeführt: So arbeitet die Mobexo GmbH, eine weitere Tochterfirma, stark softwareorientiert und entwickelt digitale Services für Großkunden im Fuhrpark- und Schadenmanagement. „Mit solchen Ansätzen gehen wir praktisch in die Richtung eines Inkubators für Innovationen“, sagt Benjamin Kaiser. „Aber wir wollen als Familienunternehmen bodenständig bleiben. Wichtig ist, dass wir Ideen für neue Mobilität umsetzen, von denen wir für die Zukunft Wachstumspotenzial erwarten.“

Wachstum im Stammgeschäft

Auch im Stammgeschäft seiner Autohäuser hat sich LUEG ambitionierte Ziele gesetzt. „Wir sind fest überzeugt, dass der Automobilhandel und -service eine starke Säule der LUEG Gruppe bleibt, mit der wir wesentliche Erträge erzielen wollen“, sagt Benjamin Kaiser. Dabei will der Vorstand nicht das Markenportfolio erweitern: „Unsere Kernmarken Mercedes-Benz und smart, Volvo und Ferrari bleiben gesetzt und werden ausgebaut, wenn sich Chancen ergeben“, ergänzt Vorstandssprecher Martijn Storm. So hat die LUEG Gruppe auf Wunsch von Daimler vor zwei Jahren Mercedes-Benz Standorte von der MERBAG Gruppe in der Zentralschweiz übernommen und in eine eigenständige Aktiengesellschaft mit Sitz in Luzern überführt, die inzwischen auf 220 Mitarbeitende an sieben Standorten gewachsen ist. Ein Schritt, der unterstreicht, dass das Bochumer Traditionsunternehmen längst auch internationale Perspektiven in den Blick nimmt.

Investitionen im Ruhrgebiet

Auch im deutschen Markt investiert LUEG weiter in seine Autohäuser. An zwei Standorten im Ruhrgebiet wird das schon prominent sichtbar: In Witten, auf dem Areal des früheren Mercedes-Benz Centers an der Stockumer Straße, eröffnete im Februar eines der größten Volvo-Häuser Deutschlands seine Tore – ein modernes Erlebniszentrum im Look der „Volvo Retail Experience“, die Elemente aus der digitalen und der analogen Welt verbindet. Ein wegweisender Ansatz für den Automobilhandel, glaubt Martijn Storm: „Wir erleben ganz unterschiedliche Kundengruppen: Von digital Affinen, die sich im Netz informieren und kaufen, über hybride Interessenten, die ein Fahrzeug vor Ort erkunden und alles Weitere online abwickeln möchten, bis hin zu klassischen Kunden, die Beratung und Kaufabschluss im Autohaus bevorzugen. Als Händler ist es unsere Aufgabe, allen eine perfekte Customer Journey zu bieten.“ Ein zweites großes Investitionsprojekt läuft zurzeit in der Essener Weststadt auf Hochtouren: Bis zum Frühjahr 2022 entsteht an der markanten Kreuzung von B224 und Altendorfer Straße das erste AMG Brand Center Deutschlands. Ein Autohaus der Superlative, wie es bisher nur in Tokio, Sidney oder Shanghai zu sehen ist: Mit 1.700 Quadratmetern Grundfläche und einer vollanimierten LED-Außenfassade wird es das größte AMG Brand Center weltweit sein. Licht- und Videoinstallationen, die echte Fahrzeuge in virtuellen Rennsituationen präsentieren, verbinden auch hier die digitale und analoge Welt.

Kompetenzen bündeln

Bei allem Respekt vor der Unternehmenstradition scheuen sich die LUEG-Vorstände nicht, die Vertriebsstrukturen von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand zu stellen. So ließ die neue Führung die Wünsche der Kundinnen und Kunden in einem aufwendigen Prozess erforschen. „Wir wollten wissen: Wie stellen Sie sich das Autohaus und den Werkstattservice der Zukunft vor?“, berichtet Benjamin Kaiser, Vorstand Pkw. Das Ergebnis war ebenso überraschend wie eindeutig: „Die Mehrheit der Kunden hat gesagt, dass sie für einen perfekten Service auch bereit wäre, weitere Wege zu fahren. Geografische Nähe, die wir über Jahrzehnte mit einem sehr dichten Vertriebsnetz im Ruhrgebiet sichergestellt haben, ist heute offenbar nicht mehr so wichtig.“ Aus den veränderten Kundenbedürfnissen hat der Vorstand inzwischen Leitlinien für das Standortnetz abgeleitet: So wird LUEG künftig seine Ressourcen auf moderne, spezialisierte Autohäuser konzentrieren. „Wir wollen an den Standorten, an denen wir präsent sind, einen perfekten Auftritt schaffen, wie ihn die Kundinnen und Kunden von uns erwarten. Deshalb werden wir unsere Ressourcen bündeln und unsere Investitionen konzentrieren. So entstehen regionale Kompetenzcenter, die besondere Leistungen und Qualität für höchste Ansprüche bieten“, erklärt Martijn Storm. Der Anfang ist bereits gemacht: Im September wurden Belegschaft und Fahrzeuge des aus den 60er-Jahren stammenden Autohauses in Bottrop auf die Pkw-Center Essen und Gelsenkirchen verteilt. Auch das ehemalige smart Center Oberhausen wurde in die neue Struktur integriert: Alle Fahrzeuge und Services sind jetzt an den zentralen, modernen Pkw-Standorten von LUEG in Essen und Bochum zu finden, die beide auf das smart-Geschäft ausgerichtet sind. „Wichtig ist mir, dass es durch die Fusionen von Standorten keine einzige Kündigung gab. Die Verdichtung ist keine Rationalisierungsmaßnahme – im Gegenteil: Unsere Belegschaft ist sogar gewachsen“, erklärt Stefan Jansen, der im Vorstand für Personal zuständig ist. Die LUEG Gruppe beschäftigt aktuell 2.388 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – so viel wie nie zuvor in der Unternehmensgeschichte. Trotz der Wachstumsdynamik soll eines bewahrt werden: LUEG versteht sich nach wie vor als ein Familienunternehmen, und das im doppelten Sinne: Bis heute ist die Gruppe im Besitz der Nachfahren von Friedrich Lueg, der die Wagenfabrik 1868 gegründet hatte. Die fünfte Generation der Unternehmerfamilie vertritt im Aufsichtsrat Christian Mahnert-Lueg. Nicht nur die langen Betriebszugehörigkeiten unterstreichen, dass sich viele Beschäftigte als „LUEGianer“, als Teil der LUEG-Familie, verstehen. Dazu passt auch die neue Führungskultur: „Wir wollten als Vorstand nicht der typische Flaschenhals sein, in dem dynamische Prozesse stecken bleiben. Deshalb haben wir die Entscheidungskompetenz mit einem Leadership-Team verbreitert“, berichtet Martijn Storm. Der neue Stil entwickelt inzwischen Eigendynamik: Nachdem sich in Meetings immer häufiger die Anrede mit „Du“ durchgesetzt hat, verzichtet der Vorstand mittlerweile in der internen Kommunikation komplett auf das förmliche „Sie“. Stefan Jansen: „Das hat sich organisch entwickelt und ist auch nicht verpflichtend – aber es fühlt sich für viele einfach gut an.“

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Ausgabe 05/2021

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