Zufriedene Mitarbeiter: Gesundheitsmanagement im Betrieb

© Friends Stock – stock.adobe.com
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Betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Ein Großteil der Unternehmer weiß, dass gesunde und zufriedene Mitarbeiter nachweislich motivierter und leistungsfähiger sind. Wer die Gesundheitsförderung in seinem Betrieb ernst nimmt, kann außerdem mit weniger krankheitsbedingten Fehltagen rechnen. Laut Statistik fehlten Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2020 durchschnittlich 11,2 Tage auf der Arbeit. Seit 1995 ein neuer Höchstwert. Eine gesundheitsfreundliche Gestaltung des Arbeitsplatzes und des -umfeldes sowie eine Veränderung im individuellen Gesundheitsverhalten von Mitarbeitern kann sich für beide Parteien lohnen. Der Arbeitgeber profitiert von weniger Krankheitstagen im Betrieb, der Arbeitnehmer von einer gesünderen Lebensweise. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist ein Teilaspekt des unternehmerischen Gesundheitsmanagements, der die Mitarbeitergesundheit verbessern kann und für eine bessere Work-Life-Balance sorgt. Der Arbeitsalltag nimmt nun einmal mehr und mehr Zeit in Anspruch und beschäftigt viele Mitarbeiter auch über den Feierabend hinaus. Ein Baustein der innerbetrieblichen Gesundheitsförderung, der keineswegs unterschätzt werden darf, ist die Zufriedenheit der Beschäftigten. Wer seinen Berufsalltag zufrieden und ausgeglichen bewältigt, trägt wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens bei. Für engagierte, leistungsfähige und loyale Mitarbeiter braucht es verschiedene interne und externe Voraussetzungen. Aspekte für Zufriedenheit sind zum Beispiel die entsprechende Entlohnung, die Karriereentwicklung oder auch die Führungskultur im Unternehmen. Andere Faktoren, die maßgeblich mit der Zufriedenheit am Arbeitsplatz in Verbindung stehen:


• Sinnhaftigkeit der Arbeit

• Flexible Arbeitszeiten/Möglichkeiten auf Homeoffice

• Positive Unternehmenskultur

• Weiterbildungsmöglichkeiten


15 Prozent haben innerlich gekündigt

Jedoch ist es mit der Zufriedenheit im Job in Deutschland oft nicht weit her: Einer Untersuchung zufolget fühlen sich rund zwei Drittel (68 Prozent) der Arbeitnehmer in Deutschland nur bedingt an ihr Unternehmen gebunden; 15 Prozent haben bereits eine „innere Kündigung“ ausgesprochen. Lediglich 17 Prozent der Befragten empfinden eine stärkere Verbundenheit mit dem Betrieb, in dem sie arbeiten. Diese Einstellung wirkt sich auch auf Fluktuationen im Betrieb auf: Rund 64 Prozent der Mitarbeiter, die nicht von Kurzarbeit im Jahr 2020 betroffen waren, überlegen den Arbeitsplatz zu wechseln. Wie Zufriedenheit unter den Beschäftigten hergestellt oder verbessert werden kann, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Jüngere Arbeitnehmer sind unter anderem meistens dann zufriedener, wenn es gute Aufstiegschancen am Arbeitsplatz gibt, ältere wünschen sich möglicherweise mehr Sicherheit und ein angemessenes Gehalt.

Prävention auch bei psychischen Erkrankungen

Trotzdem aber gibt es Handlungsfelder in Zusammenhang mit Gesundheitsförderung, die im Grunde alle Mitarbeiter eines Unternehmens betreffen: Zum Beispiel arbeitsbedingte Anforderungen wie körperliche Belastungen und psychosoziale Schwierigkeiten wie Über- und Unterforderung, Zeitdruck oder anderen Stress. Hinzu kommen - und das gerade in Büros - gesundheitliche Probleme, die durch fehlende Bewegung entstehen. Häufig sind es Gelenkprobleme, Rückenleiden oder Stoffwechselstörungen, die durch mangelnde Bewegung entstehen und Grund für einen Ausfall des Mitarbeitenden sind. Gleichzeitig werden psychische Erkrankungen wie Depressionen auch durch die veränderte Berufswelt ausgelöst. Das Privat- und Berufsleben verschmilzt mehr und mehr miteinander, was dazu führt, das viele Arbeitnehmer immer größere Probleme haben, abschalten zu können. Alles Punkte, die am Ende zu Lasten der Mitarbeiterzufriedenheit und schließlich des Firmenerfolgs gehen können.

Steuerliche Vorteile durch Gesundheitsangebote

Gerade körperliche Bewegung hilft, die negativen Auswirkungen des modernen Berufslebens zu mindern. Gesundheitsangebote in Unternehmen, die im Übrigen auch steuerlich geltend gemacht werden können, sind deshalb eine sinnvolle Investition, denn sie sorgen dafür, dass sich Arbeitnehmer auch während der Arbeitszeit bewegen. Steuerlich analog des Präventionsleitfadens der Spitzenverbände gesetzlicher Krankenversicherungen befreit werden zum Beispiel


• Ernährungsangebote

• Stressbewältigung

• Bewegungsprogramme

• Suchtprävention

• Schutzimpfungen

• Rückenschule

Nicht gefördert werden hingegen Mitgliedschaften in Fitnessclubs oder Sportvereinen oder andere Angebote im Rahmen von Freizeit- oder Breitensport. Auch, wenn es bei der betrieblichen Gesundheitsförderung in erster Linie um die Gesamtschau auf die Optimierung der Gegebenheiten geht, zum Beispiel um die Reduzierung von Stress, Suchtprävention oder Ergonomie, wirken sich auch Angebote, die nicht zwingend begünstigt werden, positiv aus. Ein Beispiel ist die Bereitstellung von Dienstfahrrädern, mit denen die Arbeitnehmer zwischen Wohnort und Arbeitsstätte pendeln können. Schon ab dreimal pro Woche je dreißig Minuten Fahrradfahren werden das psychische Wohlbefinden, die kognitive Leistungsfähigkeit und die allgemeine Fitness erheblich gefördert. Hinzu kommt neben den positiven gesundheitlichen Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem und den Bewegungsapparat auch solche für das Klima.Weitere Möglichkeiten sind die regelmäßige Bereitstellung von gesunden Lebensmitteln wie Obst und Gemüse. Ebenso sollte in Betriebskantinen gesunde Ernährung eine zentrale Rolle spielen. Hier hilft es unter anderem, ein Salatbuffet einzuführen und generell viel Gemüse und Ballaststoffe zu verarbeiten. Auch die Bedeutung von Schlaf zur Leistungssteigerung wird von Unternehmern mehr und mehr erkannt. Mit Ruheräumen können Arbeitgeber ihren Beschäftigten zum Beispiel zu einem kurzen Powernap verhelfen. Maßnahmen, die von Unternehmen für die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern als freiwillige Leistung angeboten werden, werden zusätzlich zum Lohn gezahlt, Gehaltsumwandlungen sind nicht möglich, beziehungsweise werden nicht gefördert. Laut Bundesregierung sind es meistens große Unternehmen, die Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten, von kleineren Betrieben und dem Mittelstand werde diese Möglichkeit seltener genutzt. Als Grund nimmt die Regierung an, dass zu wenig Firmeninhaber über die Chancen und Möglichkeiten von Prävention Bescheid wüssten oder sich überfordert fühlten, notwendige Schritte einzuleiten.

Gesundheitsförderung funktioniert nicht nach dem Baukastenprinzip

Neben der Einführung verschiedener Gesundheitsprogrammen spielen auch andere Faktoren eine Rolle für zufriedene Mitarbeiter. Häufig müssen auch die Arbeitsbedingungen auf den Prüfstand gestellt und dabei Fragen nach einem gesunden Betriebsklima, der Arbeitsplatzgestaltung beziehungsweise baulichen Gestaltung oder gesundheitsgerechter Mitarbeiterführung gestellt werden. Darin fließen Aspekte wie Vermeidung von Mobbing, Leitbildkultur, flexible Arbeitszeiten und transparente Kommunikation ein. Hier wird klar, dass Gesundheitsförderung im Betrieb nicht im Sinne eines Baukastenprinzips gelingen kann, sondern dass eine Bestandsaufnahme sowohl der individuellen Gegebenheiten als auch der individuellen Bedürfnisse aller Beschäftigten notwendig ist. Einige Mitarbeiter wünschen sich eventuell die Möglichkeit, das Familien- und das Berufsleben besser aufeinander abstimmen zu können. Andere bevorzugen möglicherweise vergünstigte Angebote zur körperlichen Fitness.

Alle an einen Tisch

Auf jeden Fall sollte Gesundheitsförderung zu einem festen Bestandteil im Unternehmen werden. Für ein entsprechendes Konzept ist es sinnvoll ein Team von Mitarbeitern, jüngere, ältere sowie aus verschiedenen Abteilungen an einen Tisch zu setzen. Werden gesundheitsfördernde Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, ergeben sich Vorteile für beide Seiten: Während der Arbeitgeber von einer gestiegenen Produktivität, einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und einer Kostensenkung durch einen niedrigeren Krankenstand profitieren kann, verbessert sich gleichzeitig der Gesundheitszustand des Beschäftigten, entsprechende Risiken werden reduziert, die Lebensqualität steigt und damit auch die Zufriedenheit.

Freundlichkeit und Respekt

Neben handfesten gesundheitsfördernden Maßnahmen ist es auch das tägliche Miteinander zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, das einen wesentlichen Beitrag zur Zufriedenheit unter den Beschäftigten beiträgt. Generell sollte der Umgangston mit den Beschäftigten freundlich und respektvoll sein. Sehr oft wird in Betrieben nur darüber gesprochen, was nicht gut gelaufen ist oder was verbessert werden könnte - dabei ist ein persönliches Lob wichtig, damit sich Arbeitnehmer wertgeschätzt und anerkannt fühlen. Wichtig ist auch, die Beschäftigten mit ihren Problemen und Schwierigkeiten nicht allein zu lassen, sondern Unterstützung anzubieten. Genauso gilt: Mitarbeiter werden möglichst dort eingesetzt, wo sich deren Talente und Stärken am besten entfalten können. Zufriedenheit stellt sich auch dann eher ein, wenn die Beschäftigten in Entscheidungsprozesse einbezogen werden – starre hierarchische Strukturen sorgen oft für Unzufriedenheit. Flache Hierarchien mit der Möglichkeit zu mehr Teilhabe und mehr Eigenverantwortlichkeit wirken sich in der Regel positiv auf das Arbeitsklima und die Gefühlslage der Mitarbeiter aus.

Bewegung in der Pause, Gesundheitstag

Praktisch könnte die Durchführung von gesundheitsfördernden Maßnahmen auch in kleineren und mittleren Betrieb so aussehen, dass in regelmäßigen Intervallen ein Physiotherapeut ins Haus kommt und die Mitarbeiter behandelt, Tipps gibt oder Übungen zeigt. Möglich ist auch, täglich Pausen anzubieten, in denen die Mitarbeiter unter Anleitung geschulter Kollegen in Bewegung kommen, um Muskeln, Entspannung oder Koordination zu trainieren. Denkbar ist außerdem die Teilnahme an Workshops, in denen sich Beschäftigte mit alle möglichen Themen wie gesunder Ernährung, Stressmanagement und Möglichkeiten zur Entspannung auseinandersetzen. Feste Gesundheitstage im Unternehmen sind ebenfalls ein probates Mittel, um die Mitarbeiter für eine gesunde Lebensführung zu sensibilisieren.

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Ausgabe 03/2021