Happy Leader sind erfolgreicher

Wie heißt es so schön: „Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.“ Vielleicht läuft es in manchen Unternehmen deswegen nicht mehr rund, weil es dem Chef selbst stinkt. Weil er überlastet ist oder weil seine Bedürfnisse und Wünsche immer hintenanstehen. Glückliche Chefs sind gesund, ausgeglichen und erfolgreich, sagt Coach und Change-Beraterin Sabine Bredemeyer. Sie hat eine „Happy-Leading-Formel“ entwickelt: Demnach sollen Führungskräfte mehr auf sich achten, an ihrem Charisma arbeiten, besser mit Mitarbeitern kommunizieren und bestimmte Tools anwenden. In ihrem Buch „Happy Leaders – Happy People – Great Results“ verrät Sabine Bredemeyer, wie man das schafft. In den nachfolgenden Tipps greifen wir einige ihrer Ideen und Ratschläge auf.
(Foto: ©nadzeya26 – stock.adobe.com)
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1 DENK MAL DRÜBER NACH
Im durchgetakteten Terminkalender ist kein Platz für Selbstreflexion. Die meisten Führungskräfte sind es gewohnt, ihren Berg an Aufgaben und Verpflichtungen Tag für Tag abzuarbeiten. Egal, ob es Spaß macht oder nicht. Warnsignale des Körpers werden gerne ignoriert – bis man gereizt und genervt das Betriebsklima vergiftet und irgendwann vor Überlastung zusammenbricht. Damit es nicht so weit kommt, rät Coach Sabine Bredemeyer, sich die Sinnfrage zu stellen. Es geht um das WARUM. Warum mache ich diesen Job? Macht er mich zufrieden? Ist das meine Berufung? Entspricht die Aufgabe meiner Vision? Meinen Werten? Mache ich das, was ich mit Leidenschaft tue? Tipp: Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken über Ihre Situation. Wer im Einklang mit seinen Vorstellungen und Wünschen ist, der strahlt auch Zufriedenheit und Gelassenheit aus. Das ist gut fürs Betriebsklima und fördert die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter.

2 LASS ES DIR GUT GEHEN
Zig Studien belegen, dass gesunde Ernährung, regelmäßig Sport und ausreichend Schlaf sich positiv auf Körper und Geist auswirken. Weniger Alkohol, weniger Süßes, nicht rauchen, dafür mehr Sport, frische Luft und Schlaf – das wäre ideal. Und handeln wir danach? Oft nicht. Gerade wenn es stressig wird, essen wir lieber die Pizza auf die Schnelle als langsam den Salat. So kommt man aber nicht weiter. So wird man nie ein Happy Leader. Man muss den Willen haben und sich das Ziel setzen, einen gesünderen Lebensstil zu führen. Selbstdisziplin und Achtsamkeit helfen dabei, die ersten Wochen zu überstehen. Dann läuft es meist von alleine: Die gesündere Ernährung, die Entgiftung, die vermehrte Bewegung und sechs bis acht Stunden Schlaf bringen dem Körper mehr Power und wir fühlen uns besser. In stressigen Phasen helfen Atemübungen zum schnellen Runterkommen – die Übungen helfen viel effektiver als Zigaretten oder Süßigkeiten. Tipp: Gönnen Sie sich eine echte Mittags-PAUSE und konzentrieren Sie sich auf die Mahlzeit. Planen Sie im Terminkalender wöchentliche Zeitfenster für Sport oder Spaziergänge ein.

3 SELBSTBEWUSST UND CHARISMATISCH
Manche Personen strahlen eine natürliche Autorität und Tatkraft aus. Sie ziehen ihre Zuhörer in den Bann und ihre Worte wirken inspirierend. Diese Ausstrahlung und positive Wirkung auf andere nennt man charismatisch. Coach Sabine Bredemeyer stellt klar: Charisma entwickelt man nicht durch Rhetorik- oder Präsentationsseminare. Es reicht nicht, sich Gesten, Mimik oder Redewendungen anzutrainieren. „Charisma ist Ausdruck von Persönlichkeit, Klarheit und des inneren Feuers eines Menschen.“ Happy Leader wissen, warum sie etwas tun. Sie sind mit sich selbst im Reinen. Sie brennen für eine Sache, achten aber auch darauf, dass die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden. Noch eines zeichnet Charismatiker aus, meint Sabine Bredemeyer: „Sie interessieren sich für Menschen, verstehen sie, respektieren sie in ihrer Unterschiedlichkeit und haben gelernt, sie mit Worten zu erreichen.“ Sie bringen den Mitarbeitern echte Wertschätzung entgegen.Tipp: Feiern Sie Ihre Mitarbeiter: Gratulieren Sie auch über Facebook zum Geburtstag, zum Firmenjubiläum oder zur bestandenen Prüfung.

4 AUF DIE EIGENEN BEDÜRFNISSE ACHTEN
Jeder ist seines Glückes Schmied. Das gilt auch für Chefs. Führungskräfte müssen für sich selbst Sorge tragen. Sie sollten ab und zu innehalten und spüren, wie Sie sich fühlen. „Jedes Gefühl ist eine Reaktion auf ein erfülltes oder ein nicht erfülltes Bedürfnis“, erklärt Sabine Bredemeyer. Ein Beispiel wäre: „Sind Sie erschöpft, frustriert, gestresst, enttäuscht, ärgerlich, ratlos, überfordert oder irritiert? Welches unerfüllte Bedürfnis genau hat dieses Gefühl in Ihnen ausgelöst? Sehen Sie genau hin. Haben Sie vielleicht einfach zu wenig getrunken oder gegessen? Oder hat jemand anderes etwas getan oder unterlassen, was dieses Gefühl bei Ihnen ausgelöst hat?“ Tipp: Lernen Sie, über Ihre Bedürfnisse zu reden. Bitten Sie Ihre Mitmenschen einfühlsam um die Erfüllung Ihrer Bedürfnisse. So weiß Ihr Gegenüber, wie Sie ticken, und kann sich entsprechend verhalten.

5 EMOTIONALE INTELLIGENZ TRAINIEREN
Im Tipp zuvor war von Gefühlen die Rede. Auch im harten Business spielen Emotionen immer eine Rolle – auch wenn wir sie im Unterbewusstsein schlummern lassen. Für Chance-Beraterin Sabine Bredemeyer steht fest: „Der bewusste Gebrauch der emotionalen Intelligenz und damit die Einbeziehung des Unbewussten sind das bedeutendste Erfolgsgeheimnis der Happy Leader.“ Deswegen lautet ihr Rat: „Trainieren Sie Ihre emotionale und soziale Kompetenz. Es macht sehr zufrieden – Sie selbst und Ihr Team –, wenn die Mitarbeiter sich verstanden fühlen, Gespräche einfacher werden, Missverständnisse und Konflikte ausbleiben und das Arbeitsklima insgesamt angenehm ist.“

6 SOZIAL KOMPETENT
Engagierte und motivierte Mitarbeiter sind ein Riesenkapital. Sie sind die Basis für weiteren Unternehmenserfolg. Deswegen ist es wichtig, dass sich die Mannschaft auch wohlfühlt. Als Happy Leader haben Sie ein Gespür für die Stimmung im Haus. Sie wissen, welche Menschentypen in welcher Abteilung arbeiten und riechen schon frühzeitig, ob irgendwelche Konflikte innerhalb der Belegschaft schwelen. Selbstverständlich achten Sie darauf, dass die Konflikte gelöst werden. Soziale Kompetenz rundet das Profil eines Happy Leaders ab. Er hört z.B. den Mitarbeitern zu, zeigt Wertschätzung, bleibt selbst authentisch, ist in der Lage, mit Einfühlungsvermögen Feedback zu geben, und übernimmt für eigene Fehler die Verantwortung.

7 KLARE ANSAGEN MACHEN
Wer spricht, dem kann geholfen werden. Das sollte man auch als Führungskraft beherzigen. Woher sollen die Mitarbeiter sonst wissen, welche Erwartungen und Bedürfnisse der Chef hat. Formulieren Sie klar und deutlich, welche Aufgaben wie erledigt werden sollen. Erklären Sie ruhig und sachlich, welche Verhaltensweisen Sie schätzen und welche Sie stören oder gar in den Wahnsinn treiben. Erklären Sie, warum die Arbeitsabläufe, Sicherheitsvorschriften oder Regularien aus Ihrer Sicht Sinn machen und notwendig sind. Solche Leitlinien geben den Mitarbeitern Orientierung und erleichtern beiden Seiten das Leben. Tipp: Happy Leader kommunizieren direkt und offen. Durch aktives Zuhören und Empathie achten sie auch darauf, was ihr Gesprächspartner empfindet.

8 SO GELINGEN CHANGE-PROZESSE
Die meisten Mitarbeiter stehen Veränderungen skeptisch gegenüber. Viele haben auch Angst. In Unternehmen, in denen das Betriebsklima eher frostig ist, gilt das erst recht. Sabine Bredemeyer stellt in ihrem Buch den „Kreislauf der Veränderung“ als Analysetool für Change-Prozesse vor. Entwickelt wurde das Tool von der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross für den Umgang mit Trauerprozessen. Change-Beraterin Bredemeyer empfiehlt es als Happy-Leader-Tool, weil es so wirksam ist. Es werden sechs emotionale Stadien betrachtet: Schock – Leugnung – Ärger und Wut – Erinnern – Akzeptieren – Loslassen. Sobald die Menschen ihre Emotionen losgelassen haben, sind sie offen für eine neue Situation und gelangen ins Stadium „Loslegen“. Nach den Erfahrungen von Sabine Bredemeyer funktioniert das Tool nicht nur bei negativen Einschnitten wie Entlassungen oder Umsatzeinbrüchen, sondern auch bei positiven Veränderungen wie Unternehmensexpansion.

9 EFFEKTIVE MEETINGS
Die Corona-Pandemie hat auch Gutes ins Businessleben gebracht: Meetings per Video laufen viel stringenter ab als live vor Ort. Ob Corona langfristig auch die „Meetingitis“ abschafft? So bezeichnet Sabine Bredemeyer die Vielzahl an Meetings. Schon vor Corona hat die Coachin geraten, sich über entbehrliche Meetings Gedanken zu machen. Auch die Teilnehmeranzahl und Zusammensetzung gehört auf den Prüfstand. Egal, ob anlog oder virtuell: Meetings sollten gut vor- und nachbereitet werden und eine klare Zielsetzung haben. Bei virtuellen Besprechungen sollten Moderatoren nicht nur fachlich kompetent sein, sondern auch mit der Technik vertraut. Der Hinweis zu Beginn auf die Meeting-Regeln ist wichtig (z.B. Handhabung der Stummschaltung; keine Kommentare, wenn jemand anderes spricht, Einhaltung der Tagesordnung). Ideal ist es, wenn alle Teilnehmer einbezogen werden – spätestens in der Abschlussrunde sollte jeder zu Wort kommen.

10 DRANBLEIBEN IST NOTWENDIG
Sportler kennen das: Man muss regelmäßig im Training bleiben, damit die Muskeln mitspielen, und wer Höchstleistungen erbringen will, muss noch mehr trainieren. Auch ein Instrument oder eine Fremdsprache erlernt man nicht von heute auf morgen und sobald man aufhört, baut man ab. Auch ein Happy Leader wird man nicht über Nacht. Man braucht Willen, Disziplin und Ausdauer. Aber wer durchhält, dem winkt sein „Lieblingsleben“. Weitere Tipps gibt es unter www.happy-leaders.de. Claudia Schneider | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 05/2020