Mehr Nachhaltigkeit in der Textilindustrie: Die wichtigsten Ansätze

In Zeiten von Energieknappheit und hohen Umweltbelastungen bedeutet Nachhaltigkeit in der Textilindustrie vor allem die Einsparung von Ressourcen, wie Wasser, Energie und Chemikalien.

Textilindustrie (Foto: © josefkubes @ adobe.stock)
Textilindustrie (Foto: © josefkubes @ adobe.stock)
Die Textilindustrie zählt in Deutschland zu den wichtigsten Konsumbranchen. Gleichzeitig bedeuten die Prozessstufen der Herstellung eine große Belastung für die Umwelt. Mehr Nachhaltigkeit ist gefragt und darunter ist nicht nur Bio-Baumwolle und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern gemeint. Vielmehr müssen Sie einzelne Schritte, wie den Anbau und die Produktion von Rohfasern, optimieren.

Textilindustrie und Herstellung von Textilien in Deutschland

Wenn wir von der Textilindustrie in Deutschland sprechen, geht es nicht nur um Bekleidung. Hier ist es hilfreich, sich zunächst genauer mit den verschiedenen Materialien auseinander zu setzen. Denn bei mehr als der Hälfte aller hergestellten Textilien im Land handelt es sich um sogenannte technische Textilien, die im Baugewerbe, der Autoproduktion, im Umweltschutz oder in der Medizin zum Einsatz kommen. Daneben werden Textilien für die Bekleidung sowie den Heim- und Hausbedarf produziert. Dazu zählen die Herstellung von Zwirnen und Garnen sowie die Textilveredelung. Die Textilveredelung umfasst beispielsweise das Färben oder Bedrucken der Stoffe oder aber auch das Ausrüsten mit besonderen Eigenschaften. Rund 90 Prozent der Bekleidung, die in Deutschland gekauft wird, sind Importwaren aus China, Bangladesch oder der Türkei. Hierzulande hergestellt wird also im Vergleich sehr wenig. Das bedeutet, dass der Herstellungsprozess von Garnen größtenteils außer Landes stattfindet. Dieser besteht aus den folgenden Arbeitsschritten:

  • Anbau von pflanzlichen, tierischen und chemischen Fasern, wie Baumwolle, Wolle und Polyester
  • Spinnen der Rohfasern
  • Weben, Stricken oder Wirken zur Erzeugung textiler Flächen
  • Vernadeln von Fasern zur Herstellung von Vliesstoffen
  • Veredelung der Textilfasern
Die größtenteils im Ausland hergestellten Garne werden dann zu den verschiedensten technischen Textilien, Heim- und Hausstoffen und Kleiderstoffen weiterverarbeitet.

Die Ansätze der Nachhaltigkeit in den verschiedenen Schritten der Textilherstellung sind:

  • Ansätze in der Produktion, wie Wasser- und Energieverbrauch
  • Die Abfallproduktion und ihre Auswirkungen
  • Die Beschaffung nachhaltiger Rohstoffe
  • Der Einsatz von Chemikalien, Beschichtungen und Farbstoffe
  • Die Verantwortung der Unternehmen hinsichtlich ihrer Mitarbeiter sowie der umliegenden Gemeinden
  • Tierschutz
  • Gesundheitsrisiken für Mitarbeiter und Verbraucher
  • Transportwege und ihre Auswirkungen auf Energieverbrauch und Umwelt


Nachhaltige Veränderungen bereits beim Produktdesign schaffen

Die genannten Ansätze ermöglichen in der Herstellung von Textilien, Optimierungen vorzunehmen, um nachhaltiger zu produzieren. In der Praxis können Sie Nachhaltigkeit bereits beim Design des Produkts integrieren. Denn die Materialien, die für ein Textil zum Einsatz kommen, haben maßgeblich Einfluss auf die Liefer- und Wertschöpfungskette. Des Weiteren kann nachhaltig produziertes Material recycelt werden. Generell gilt: Umso weniger verschiedene Materialien und Chemikalien verwendet werden, desto niedriger ist der Ressourcenverbrauch und desto leichter findet Recycling statt. Durch den Einsatz innovativer Technologien, von denen heutzutage bereits einige am Markt verfügbar sind, können Materialien so hergestellt werden, dass sie wieder sortenrein getrennt und anschließend zu hundert Prozent in den Kreislauf der Wiederverwertung eingefügt werden können. Das spart Ressourcen und schont Umwelt und Gesundheit. Letztendlich setzt es auch den Energieverbrauch herab.

Große Herausforderung für die Modeindustrie

Die genannten Ansätze sind im Bereich technischer Textilien weitaus einfacher umzusetzen, als in der Bekleidungsindustrie. Denn die Modebranche - insbesondere die großen Modeketten - setzt seit einigen Jahren auf ein Geschäftsmodell, das laufend neue Kollektionen hervorbringen muss. Dadurch wird auf Zeit und Geld verzichtet, welches für die Forschung, Innovation und der nachhaltigen Designentwicklung verwendet werden könnte. Um nachhaltige Mode entwickeln zu können, sollte deshalb in Zukunft vermehrt auf "Slow Fashion" gesetzt werden, also auf Qualität statt Quantität. Endverbraucher werden sich dieser Problematik zunehmend bewusst und kaufen vermehrt Secondhand oder in Geschäften, die Kleidung unter verschiedener Label, wie Green Fashion, Slow Fashion, Faire Trade Fashion oder Eco Fashion, hochwertige Materialien aus Ökotextilien und recycelbaren Materialien mit langer Lebensdauer anbieten. Die Modeindustrie hat also noch großes Potenzial, ihre Geschäftsmodelle hinsichtlich einer nachhaltigen Produktion zu verbessern.

Anstatt Neuproduktion auf Recycling setzen

Ein Ansatz, um mehr Nachhaltigkeit in der Textilindustrie zu schaffen, ist der Einsatz beziehungsweise die Wiederverwertung von bereits vorhandenen Materialien. Denn die Produktion von Textilien hat einen sehr hohen Verbrauch von Ressourcen zur Folge und belastet dadurch die Umwelt. Für den Anbau von Baumwolle wird eine große Menge an Wasser sowie Pestiziden eingesetzt. Für die Produktion von Chemiefasern, wie Polyester, wird Erdöl und viel Energie verbraucht. Dem gegenüberstehen:

  • Heimische Naturfasern, wie Hanf oder Flachs
  • Ökologisch angebaute Baumwolle
  • Bio-Wolle
  • Fasern auf Zellstoffbasis
  • Tierische Proteine für Kunstfasern
  • Wiederverwertung von Rohstoffen
Hinsichtlich der Rohstoffgewinnung durch Recycling gibt es bereits zahlreiche innovative Ideen, wie beispielsweise die Wiederverwertung von Fischernetzen, aus denen Nylongarn produziert wird. Dieses Garn eignet sich sehr gut dazu, um Funktionsstoffe herzustellen. Der Vorteil solch einer nachhaltigen Textilproduktion liegt klar auf der Hand: Die Meere werden von Abfall befreit und die Umwelt wird durch den fehlenden Prozess der Materialherstellung entlastet. Ebenfalls können geschredderte Plastikflaschen zur Verarbeitung in Gewebe zum Einsatz kommen, um daraus Recyclinggarn für die Produktion von Outdoor-Kleidungsstücken und Camping-Zubehör zu verwenden. Und natürlich können auch Baumwollabfälle heutzutage recycelt werden. Aus den daraus gewonnenen Fasern werden neue Kleidungsstücke gefertigt.

Bei der nachhaltigen Textilveredelung Ressourcen sparen

Beim Prozess der Veredelung wird das Material gefärbt, wasserundurchlässig, knitterfrei oder feuerfest gemacht. Für diesen Vorgang in der Textilherstellung stehen Produzenten bis zu 15.000 verschiedene Chemikalien zur Verfügung. Des Weiteren verursacht der Veredelungsprozess einen sehr hohen Wasserverbrauch und in der Folge eine hohe chemische Belastung im Abwasser. Ökologische Chemikalien stehen für die Textilindustrie nicht zur Verfügung, was wohl zu den größten Hürden zählt, um diesen Arbeitsschritt in der Textilherstellung nachhaltig zu gestalten.

Viele Unternehmen arbeiten deshalb mit Druck daran, dieses Manko zu beheben, um auch in der Veredelung nachhaltig und umweltschonend zu produzieren. Dafür gibt es bereits folgende Maßnahmen:

  • Der Einsatz von Pflanzenfarben
  • Polyesterfarben bereits beim Prozess des Spinnens färben
  • Der Einsatz vom Dye Free Masterbatch-Färbeverfahren
Beim Konzept des Dye Free Masterbatch-Färbeverfahrens wird Polyester ohne Wasser verschmolzen, um einen gefärbten Chip zu erhalten. Aus diesem Chip wird dann das Garn ausgepresst. Diese Entwicklung senkt den Wasserverbrauch um 50 Prozent. Ein weiterer Vorteil des Dye Free Masterbatch-Färbeverfahrens ist, dass die daraus hergestellten Textilien eine höhere Farbfestigkeit haben. Ist das Textilstück am Ende seiner Lebensphase angekommen, kann das Material wiederverwertet werden.

Nachhaltigkeit auch in Sachen fairer Arbeitsbedingungen schaffen

Bis ein fertiges Produkt aus Textilien im Laden angeboten werden kann, sind zahlreiche Arbeitsschritte nötig. Nicht alle können von Maschinen erledigt werden. Die Textilindustrie benötigt viel Personal, weshalb die Arbeiten häufig in Billiglohnländern in Asien ausgelagert werden. Dort werden die Menschen meist ausgebeutet. Die Gefahren von Kinderarbeit, unfairer Löhne und eine fehlende Arbeitssicherheit sind groß. Dies passt nicht zu einem Unternehmen, das nachhaltig produzieren möchte. Es ist also auch in diesem Punkt von Bedeutung, die Umstände für jene Menschen, die maßgeblich an der Produktion der Textilien beteiligt sind, zu verbessern und angemessen und fair zu gestalten.

Dass dies bei der Auslagerung der Arbeit nach Asien oft nicht möglich ist, liegt daran, dass vor Ort überwiegend keine Transparenz vorhanden ist. Es gibt keine Kontrollen und vielerorts ist Korruption vorherrschend. Zwar gibt es Initiativen von Greenpeace und anderen Institutionen, um faire Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern zu gewährleisten. Bis sich jedoch die Umsetzung nachhaltiger Produktionsprinzipien einstellt, wird noch viel Zeit vergehen.

Als nachhaltig bedachter Unternehmer in der Textilbranche sind Sie also auf sich gestellt, um Ihre Prinzipien in der Produktion durch das Personal umzusetzen. Eine Möglichkeit dazu ist, die Lieferanten mit Bedacht zu wählen und möglichst auf Geschäftspartner zu setzen, die man bereits seit vielen Jahren kennt und bei denen eine Kontrolle der Arbeitsbedingungen möglich ist. Sehr von Vorteil kann auch sein, eigene Mitarbeiter persönlich vor Ort zu beschäftigen, die neue Mitarbeiter einarbeiten können und die Arbeitsbedingungen positiv beeinflussen zu können.

Quellen:

https://www.lead-innovation.com/insights/blog/nachhaltige-lösungen-in-der-textilindustrie

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/textilindustrie#auf-dem-weg-zur-nachhaltigen-produktion-in-der-textilindustrie-

https://www.ispo.com/maerkte/sauberer-und-gruener-nachhaltigkeit-der-textilindustrie

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Ausgabe 03/2021