Unternehmenspraxis (Ausgabe 04/2021)

(© georgerudy − stock.adobe.com)
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PERSONAL und KARRIERE



Rekordwerte bei Fachkräftesuche

Immer mehr Unternehmen klagen über einen Mangel an Fachkräften. Das geht aus einer vierteljährlichen Umfrage des ifo Instituts hervor. Im Juli waren es 34,6 Prozent, nach 23,6 Prozent im April. Das war der höchste Wert seit dem zweiten Quartal 2018 und der zweithöchste jemals erreichte Wert. „Da die Konjunktur nach den Corona-Öffnungen angezogen hat, haben Firmen inzwischen Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern“, sagt ifo-Umfrage-Experte Dr. Klaus Wohlrabe. Im Einzelhandel verdoppelte sich fast die Zahl der Firmen, die Engpässe bei Fachkräften sehen, zwischen April und Juli von 15,7 auf 30,6 Prozent. Im Großhandel waren es 24,7 nach 16,1 Prozent. In beiden Branchen war der Anteil noch nie zuvor so hoch. Gleiches gilt für die Industrie. Dort beobachten 27,6 Prozent der Firmen einen Fachkräftemangel, nach 19,4 Prozent im April. Die am stärksten betroffenen Dienstleistungsbranchen sind die Vermittler von Arbeitskräften (75,4 Prozent), Hotels und Pensionen (56,0 Prozent) sowie Speditionen (54,6 Prozent).

KONJUNKTUR



Hohe Preise belasten Unternehmen

80 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten mittelstark oder stark steigende Preise, weil Rohstoffe sich verteuert haben und Vorleistungen knapp sind, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), für die 2.000 Unternehmen befragt wurden. 70 Prozent der Unternehmen berichten von mittelstark oder stark steigenden Energiepreisen. Etwa jedes zweite Unternehmen gibt an, die höheren Preise in hohem oder mittlerem Ausmaß weitergeben zu können. Das treibt vorübergehend die Verbraucherpreise: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen sie im ersten Halbjahr 2021 um 1,8 Prozent. Das liegt zwar noch unter der 2-Prozent-Marke der Europäischen Zentralbank, ist aber deutlich zu spüren. Für die gestiegenen Energiepreise sind vor allem anziehende Rohölpreise und höhere Energiesteuern verantwortlich. Im zweiten Quartal 2021 machten sie ein Drittel der Preissteigerung aus. Einen besonderen Effekt auf die Preise hatten auch Lieferengpässe: So fehlt es nicht nur an Halbleitern, sondern auch an Frachtschiffen und einigen Industrierohstoffen. Starke Preistreiber sind darüber hinaus Transportgebühren auf Vorleistungen. Im April 2021 kostete der Umschlag eines Seecontainers auf einer Standardroute 3.000 Euro – Anfang 2020 waren es noch 500 Euro. Eine Teuerung von durchschnittlich 25 Prozent verzeichneten die Holzpreise und belasten damit besonders die Baubranche. Verantwortlich für die Knappheit sind Waldbrände in Kalifornien sowie geringere Holzexporte aus Russland. Bei einem Teil der Preissteigerungen dürfte es sich um Nachklänge der Pandemie handeln.

Deutlich mehr Neugründungen

Im 1. Halbjahr 2021 wurden in Deutschland gut 65.600 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Auswertung der Gewerbemeldungen mitteilt, waren das 13,1 Prozent mehr als im von der Corona-Krise geprägten 1. Halbjahr 2020, aber auch 2,5 Prozent mehr Gründungen als im 1. Halbjahr 2019. „Im 1. Halbjahr 2020 hatte sich die Corona-Krise bereits negativ auf die Gewerbeanmeldungen ausgewirkt. Dass die Zahl der Gründungen größerer Betriebe jetzt deutlich höher liegt, hat also vor allem mit dem niedrigen Niveau des Vorjahreszeitraums zu tun. Allerdings ist auch gegenüber dem Vorkrisenniveau ein leichter Anstieg erkennbar“, erklärt Michael Ziebach, Referent für die Statistiken der Gewerbeanzeigen und Insolvenzen im Statistischen Bundesamt. Im Unterschied zur Zahl der Neugründungen größerer Unternehmen lag die Zahl neu gegründeter Kleinunternehmen im 1. Halbjahr 2021 mit rund 67.400 unter dem Niveau des 1. Halbjahres 2020 (–1,0 Prozent). Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 sank die Zahl der Neugründungen kleiner Unternehmen sogar um 21,9 Prozent. Die Zahl der neu gegründeten Nebenerwerbsbetriebe stieg dagegen um 26,0 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2020 auf rund 176 500. Besonders hoch war der Anstieg hier u.a. bei den Post-, Kurier- und Expressdiensten (+100,3 Prozent) und in der Möbelherstellung (+84,5 Prozent). Die Gesamtzahl der vollständigen Gewerbeaufgaben war mit rund 201.200 Betrieben um 1,0 Prozent niedriger als im 1. Halbjahr 2020. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 lag sie 18,3 Prozent niedriger. Diese stark rückläufige Entwicklung im Vergleich zum 1. Halbjahr des Vorkrisenjahres 2019 kann mit den staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in der Corona-Krise zusammenhängen. Zur Erläuterung: Von einer größeren wirtschaftlichen Bedeutung wird ausgegangen, wenn ein Betrieb durch eine juristische Person oder eine Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit (Personengesellschaft) gegründet wird. Auch von natürlichen Personen gegründete Betriebe können unter bestimmten Bedingungen hierunter fallen.

Nur 26 Euro mehr Gehalt

Das sogenannte Medianentgelt aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten lag im vergangenen Jahr bei 3.427 Euro. Damit sind die Löhne und Gehälter laut Bundesagentur für Arbeit (BA) gegenüber dem Jahr 2019 um 26 Euro gestiegen, dem geringsten Anstieg seit dem Jahr 2009. Damals stiegen die Entgelte durch die Wirtschafts- und Finanzkrise lediglich um 20 Euro. Die Branchen sind unterschiedlich betroffen. Im verarbeitenden Gewerbe (–44 Euro) und im Gastgewerbe (–79 Euro) sind die Medianentgelte im Jahresvergleich sogar gesunken. Ein Plus gab es dagegen bei Versicherungsdienstleistungen (+111 Euro), im Gesundheits- und Sozialwesen (+80 Euro) sowie bei Erziehung und Unterricht (+77 Euro). Vor allem die starke Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld hat im vergangenen Jahr den Anstieg bei den Entgelten stark gebremst. Auch ausbleibende Sonderzahlungen oder ausgesetzte Erhöhungen bewirken den schwächeren Anstieg. Den „Corona-Effekt“ beziffert die BA auf 69 Euro. Ohne Einfluss der Pandemie wären die Entgelte erfahrungsgemäß zusätzlich um diese Summe gestiegen. Der Effekt wird errechnet, indem die Medianentgelte der vergangenen Jahre fortgeschrieben werden. Unabhängig von der Pandemie entscheidet die berufliche Qualifikation sehr stark über die Entgelthöhe. Für Beschäftigte mit akademischem Abschluss liegt der Median bei 5.265 Euro und mit einem anerkannten Berufsabschluss bei 3.300 Euro. Beschäftigte ohne Berufsabschluss erzielen dagegen nur 2.515 Euro. Auch die Größe des Unternehmens entscheidet über das Entgelt. In Großunternehmen mit 250 und mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt der Median mit 4.259 Euro am höchsten, in Kleinstunternehmen mit weniger als zehn sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 2.523 Euro am niedrigsten.

RECHT & FINANZEN



Neues IHK-Gesetz in Kraft

Am 11. August 2021 ist das Zweite Gesetz zur Änderung des Gesetzes zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammern (IHKG) im Bundesgesetzblatt verkündet worden und einen Tag später in Kraft getreten. Damit werden die Kompetenzen der Industrie- und Handelskammern und der Dachorganisation an vielen Stellen konkretisiert. „Auf Basis des neuen IHKG können IHKs und der DIHK sich nach einer Periode erheblicher Unsicherheit wieder in einem verlässlichen rechtlichen Rahmen im Interesse der Mitglieder zu wirtschaftspolitischen Themen gegenüber Politik und Öffentlichkeit einbringen“, heißt es vom DIHK. Der DIHK e.V. wird durch das Gesetz zum 1. Januar 2023 in eine bundesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts umgewandelt, in der alle deutschen Industrie- und Handelskammern Mitglied sind: die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). „Auf diese Weise wird verlässlich gewährleistet, dass alle IHK-Mitgliedsunternehmen auch auf Bundesebene und in Europa in die politische Interessenvertretung einbezogen sind. Bis zur Umwandlung nimmt der DIHK e.V. die gesetzlichen Aufgaben wahr.“ Zu diesen gehöre wie bisher die Wahrnehmung des Gesamtinteresses der IHK-Mitgliedsunternehmen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene, die Förderung der gewerblichen Wirtschaft und die Wahrung der Prinzipien der ehrbaren Kaufleute. „Der DIHK e.V. und später die DIHK unterstützen und fördern darüber hinaus die Zusammenarbeit und den regelmäßigen Erfahrungsaustausch der Industrie- und Handelskammern zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben.“

ENERGIE



100 Milliarden für Stromnetze

Um die Stromnetze fit für die Energiewende zu machen, sind in den kommenden Jahren enorme Investitionen notwendig. Das zeigen Schätzungen der Bundesnetzagentur, auf die sich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bezieht. Allein in die Stromnetze an Land sind demnach bis 2030 insgesamt Investitionen von bis zu 102 Milliarden Euro nötig, davon 55 Milliarden Euro für das Übertragungsnetz und 47 Milliarden Euro für die Verteilernetze. „Um CO2-neutral leben und wirtschaften zu können, muss die Energieinfrastruktur aus- und umgebaut werden – und dies schnellstmöglich in diesem Jahrzehnt. Wir brauchen die Netze für den Transport grünen Stroms, für eine erfolgreiche Verkehrswende sowie eine klimaneutrale Wärmeversorgung und Industrie“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Neben den Transportleitungen bestehe auch erheblicher Um- und Ausbaubedarf bei den Verteilnetzen. „Um einen ausreichenden Netzausbau sicherzustellen, müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt und die Netzregulierung investitionsfreundlich ausgestaltet werden. Ohne die notwendigen Netzinvestitionen werden wir erhebliche Probleme bekommen, die 2030-Ziele zu erreichen.“ Eine BDEW-Studie von Ende 2020 zeige zudem: „Investitionen in Infrastrukturprojekte lohnen sich doppelt: Sie tragen nicht nur zu einer sauberen Energiewelt und damit zum Kampf gegen den Klimawandel bei, sondern schaffen auch ganz konkret Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum in der Region.“

DIGITALISIERUNG



Rekordschäden durch Cybercrime

Durch Diebstahl, Spionage und Sabotage entsteht der deutschen Wirtschaft jährlich ein Gesamtschaden von 223 Milliarden Euro. Damit haben kriminelle Attacken erneut für Rekordschäden gesorgt: Die Schadenssumme ist mehr als doppelt so hoch wie in den Jahren 2018/2019, als sie noch 103 Milliarden Euro betrug. Neun von zehn Unternehmen (88 Prozent) waren 2020/2021 von Angriffen betroffen. In den Jahren 2018/2019 wurden drei Viertel (75 Prozent) Opfer. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom, für die mehr als 1.000 Unternehmen quer durch alle Branchen befragt wurden. Haupttreiber des enormen Anstiegs sind Erpressungsvorfälle, verbunden mit dem Ausfall von Informations- und Produktionssystemen sowie der Störung von Betriebsabläufen. Sie sind meist unmittelbare Folge von Ransomware-Angriffen. Durch sie werden Computer und andere Systeme blockiert, anschließend werden die Betreiber erpresst. Die so verursachten Schäden haben sich im Vergleich zu den Vorjahren 2018/2019 mehr als vervierfacht (+358 Prozent). Aktuell sieht jedes zehnte Unternehmen (9 Prozent) seine geschäftliche Existenz durch Cyberattacken bedroht. Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 04/2021