Fahrradhandel: Bye-bye Stau und Umweltbelastung?

Der deutsche Fahrrad- und E-Bike-Markt boomte auch 2018 wieder.
In Zukunft werden noch mehr Fahrräder und E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs sein.  Der ZIV will sich daher für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur einsetzen Foto: pixabay.de
In Zukunft werden noch mehr Fahrräder und E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs sein. Der ZIV will sich daher für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur einsetzen Foto: pixabay.de
Stundenlange Staus auf dem Weg zur Arbeit, politische Diskussionen um Umweltbelastung durch Abgase und ein mögliches Dieselfahrverbot – die Zeit war nie reifer für alternative Verkehrsmittel wie das Fahrrad oder E-Bike. Das scheint auch beim deutschen Verbraucher immer stärker ins Bewusstsein zu geraten, denn der deutsche Fahrrad- und E-Bike-Markt boomte auch im Jahr 2018 wieder – das zeigen die aktuell veröffentlichten Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands e. V. (ZIV), der nationale Interessenvertretung und Dienstleister der deutschen und internationalen Fahrradindustrie ist.

Erneutes Wachstum

Im Jahr 2017 lag der Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes noch bei 2,69 Milliarden Euro. Im Jahr 2018 konnte er auf 3,16 Milliarden Euro gesteigert werden. Dies ist ein Plus von rund 16,3 Prozent. Zusammen mit dem Komponenten- und Zubehörbereich ergibt sich daraus ein Gesamtumsatz der deutschen Fahrrad-, E-Bike-, Komponenten- und Zubehörindustrie von ca. sechs Milliarden Euro. Der Absatz an Fahrrädern und E-Bikes lag 2018 mit 4,18 Millionen Einheiten 8,6 Prozent über dem Vorjahr und überschreitet damit wieder die Vier-Millionen-Schwelle. Die Deutschen scheinen bewegungsaffiner zu werden im Straßenverkehr: Nicht nur der Absatz von E-Bikes ist erneut stark angestiegen, auch die Kategorie Fahrrad konnte um zwei Prozent zulegen. Verantwortlich für die deutliche Steigerung des Umsatzes ist neben den höheren Stückzahlen der erneut gestiegene durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrrad, inklusive E-Bikes. Dieser lag 2018 bei 756 Euro über alle Vertriebskanäle und damit um 7,1 Prozent höher als noch im Jahr 2017. Aber nach welchen Kriterien entscheidet der Kunde beim Kauf? Neben hochwertiger Ausstattung sind auch Komfort und Nutzungsdauer zunehmend wichtiger. Laut ZIV ein Trend, der schon seit Jahren zu beobachten ist. Bei den E-Bikes spielen zusätzlich noch andere Attribute eine Rolle.

E-Bikes – Verkehrsmittel der Zukunft?

Fahrräder mit Elektroantrieb sind seit Jahren auf einem stetigen Erfolgszug. Die stückzahlmäßigen Zuwächse sind jedes Jahr aufs Neue zweistellig. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 980.000 E-Bikes verkauft. Das ist ein Plus von 36 Prozent. Die große Mehrheit, etwa 99,5 Prozent, aller verkauften E-Bikes sind sogenannte Pedelecs, also Fahrzeuge mit einer Maximalgeschwindigkeit bis zu 25 km/h und einer Nenndauerleistung des Motors bis maximal 250 Watt. Nur rund 0,5 Prozent aller Verkäufe sind S-Pedelecs, also schnelle E-Bikes. Diese sind versicherungspflichtig und unterliegen einer Helmpflicht. Wieso sind die E-Bikes zunehmend beliebter? Die Gründe für den anhaltenden Erfolg sind laut ZIV vielfältig: hohe Modellvielfalt in allen Produktkategorien, herausragendes Design, innovative Weiterentwicklung in der Antriebs- und Batterietechnologie sowie interessante Geschäftsmodelle rund um das E-Bike wie zum Beispiel Leasing, Cargo oder Bike-Sharing. In erster Linie aber bedient das E-Bike zwei wesentliche Ansprüche, die Verbraucher heutzutage an Verkehr und Infrastruktur stellen: Mobilität und digitale Anbindung. Denn mit dem E-Bike sind auch längere Strecken ohne Auto machbar. Auch durch die Möglichkeit der Vernetzung wird es hochattraktiv für den Konsumenten. Hinzu kommt, dass mittlerweile fast alle Modellgruppen elektrifiziert sind. Selbst Renn- oder Jugendräder sind inzwischen mit elektrischer Unterstützung erhältlich. Somit wird das E-Bike für immer mehr Käufergruppen interessant. Diese Attribute sind letztlich auch dafür verantwortlich, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland die Produkte der deutschen Fahrradindustrie stark nachgefragt werden. Der Export von Fahrrädern und E-Bikes kombiniert konnte 2018 um 8,8 Prozent auf 1,27 Millionen Stück gesteigert werden. Die E-Bike-Exporte erhöhten sich auf 440.000 Stück und lagen damit um 51 Prozent über dem Vorjahr. Der Fahrradbestand, inklusive E-Bikes, ist nach Einschätzung des ZIV 2018 auf 75,5 Millionen Stück angewachsen. Der darin enthaltene Anteil an E-Bikes wird auf rund 4,5 Millionen Fahrzeuge geschätzt.

Für die Zukunft gerüstet „2018 war ein fantastisches Jahr für die deutsche Fahrradindustrie“, resümiert Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands. „Die Innovationen der Branche sind dafür verantwortlich, dass sowohl Fahrrad als auch E-Bike beim Kunden hohe Begehrlichkeit wecken. Hinzu kommen die optimalen Witterungsverhältnisse, die die Saison früh beginnen und spät enden ließen.“ Immer noch großes Potential und viel Luft nach oben sieht der Zweirad-Industrie-Verband bei der Nutzung des E-Bikes für den täglichen Weg zur Arbeit. Da Fahrräder und E-Bikes gesetzlich dem Dienstwagen gleichgestellt sind, können Unternehmen ihren Mitarbeitern das Fahrzeugleasing zu sehr attraktiven Konditionen realisieren.

Und nicht zuletzt sieht man vermehrt E-Lastenräder innerhalb der Flotten großer Logistik-Dienstleister. Damit sorgt das E-Cargobike bereits heute für Entlastung in den durch gewerblichen Lieferverkehr chronisch verstopften Städten. Der ZIV will sich auch in Zukunft für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur und eine Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten von Fahrrädern und E-Bikes einsetzen, denn die Rahmenbedingungen müssen hier noch verbessert werden. Und wenn die Entwicklung wie in den letzten Jahren weiterhin stetig bergauf geht, gibt es zunehmend Anlass dafür. Verena Bittelbrunn | redaktion@regiomanager.de Dienstrad – gewusst wie!
Wer seinen Mitarbeitern ein Dienstrad zur Verfügung stellen möchte, kann steuerliche Vorteile nutzen. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Gehaltsumwandlung
Wird ein Teil des bisherigen Gehalts einbehalten und dafür ein Dienstrad (Fahrrad oder E-Bike) überlassen, so muss der Arbeitnehmer monatlich 0,5 Prozent des Anschaffungspreises als geldwerten Vorteil versteuern (vor dem 1. Januar 2019 waren es noch 1,0 Prozent). Bei S-Pedelecs kommen 0,03 Prozent pro Anfahrtskilometer mit hinzu.

2. Arbeitgeberfinanziertes Dienstrad
Bekommt der Arbeitnehmer das Dienstrad zusätzlich zum bestehenden Gehalt, so entfällt seit dem 1. Januar 2019 die Versteuerung des geldwerten Vorteils. Das Dienstrad ist somit für den Arbeitnehmer steuerfrei.

Ausgabe 03/2019